Grimms Märchen

Das tapfere Schneiderlein

Ein kleiner Schneider zieht in die Welt und trifft auf Riesen und einen König.

Rozdział 5 Niemiecki A2 Podstawowy
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An einem Sommermorgen saß ein kleiner Schneider am Fenster und nähte. Er kaufte bei einer Bauersfrau ein bisschen Marmelade und strich sie auf ein Stück Brot. „Aber zuerst mache ich die Jacke fertig“, sagte er und nähte weiter.

Die süße Marmelade roch gut, und bald saßen viele Fliegen auf dem Brot. „Wer hat euch eingeladen?“, rief der Schneider und jagte sie fort. Aber die Fliegen verstanden kein Deutsch und kamen immer wieder. Da wurde der Schneider wütend. Er nahm ein Stück Stoff und schlug kräftig zu. Dann zählte er: Sieben Fliegen lagen tot vor ihm! „Was bin ich für ein starker Mann!“, sagte er. „Das soll die ganze Welt wissen!“ Schnell nähte er sich einen Gürtel und stickte mit großen Buchstaben darauf: „Sieben auf einen Streich!“

Er band sich den Gürtel um und wollte in die Welt hinaus. Er steckte einen alten Käse in die Tasche, und vor dem Stadttor fing er noch einen Vogel. Auch der kam in die Tasche.

Auf einem Berg saß ein großer Riese. „Guten Tag, Kamerad!“, sagte der Schneider mutig. Der Riese lachte nur. Da zeigte ihm der Schneider seinen Gürtel. Der Riese las „Sieben auf einen Streich“ und glaubte, dass es sieben Menschen waren.

Aber er wollte den Schneider prüfen. Er drückte einen Stein so fest, dass Wasser herauskam. „Mach das nach!“ Der Schneider nahm den weichen Käse aus der Tasche und drückte ihn, bis der Saft herauslief. Dann warf der Riese einen Stein so hoch, dass man ihn kaum noch sah. „Gut geworfen“, sagte der Schneider. „Aber der Stein ist wieder heruntergefallen. Ich werfe einen, der nie wiederkommt.“ Er warf den Vogel in die Luft, und der Vogel flog froh davon und kam nicht wieder.

„Werfen kannst du“, sagte der Riese. „Aber kannst du auch etwas tragen?“ Er zeigte auf eine große Eiche am Boden. „Nimm du den Stamm auf die Schulter“, sagte der Schneider. „Ich trage die Äste, das ist das Schwerste.“ Der Riese nahm den Stamm, aber der Schneider setzte sich einfach auf einen Ast. Der Riese konnte sich nicht umdrehen und trug den ganzen Baum und dazu noch den Schneider. „Ich kann den Baum nicht mehr halten!“, rief der Riese nach einer Weile. Schnell sprang der Schneider herunter und hielt den Baum mit beiden Armen fest. „So ein großer Kerl, und du kannst nicht einmal einen Baum tragen!“

Später kam der Schneider zu einem Schloss, legte sich im Hof ins Gras und schlief ein. Die Leute lasen, was auf seinem Gürtel stand, und dachten: „Das muss ein großer Held sein!“ Der König wollte ihn sofort als Soldaten haben. Aber die anderen Soldaten hatten Angst vor ihm und wollten fortgehen. Der König wollte den Schneider gern loswerden, aber er traute sich nicht. Er dachte: „Vielleicht schlägt er mich tot und wird selbst König.“

Da sagte der König zum Schneider: „In einem Wald in meinem Land wohnen zwei Riesen. Sie rauben, morden und brennen Häuser nieder. Wenn du die beiden tötest, bekommst du meine Tochter zur Frau und das halbe Königreich.“ „Gern“, sagte der Schneider.

Im Wald fand er bald die beiden Riesen. Sie schliefen unter einem Baum und schnarchten laut. Der Schneider füllte seine Taschen mit Steinen und kletterte auf den Baum. Von oben warf er einen Stein nach dem anderen auf den einen Riesen. Endlich wachte der Riese auf und rief: „Warum schlägst du mich?“ „Du träumst“, sagte der andere. Dann warf der Schneider einen Stein auf den zweiten. „Warum wirfst du Steine nach mir?“, rief der. Sie stritten eine Weile und schliefen wieder ein. Nun warf der Schneider den dicksten Stein mit aller Kraft auf den ersten Riesen. „Das ist zu viel!“, schrie der Riese und stieß seinen Freund gegen den Baum. Der andere schlug zurück. Sie wurden so wütend, dass sie Bäume ausrissen und aufeinander losschlugen. Am Ende fielen beide tot auf die Erde.

Der Schneider sprang herunter und stach jedem Riesen noch mit dem Schwert in die Brust. Dann ging er zum König zurück und sagte: „Ich habe die beiden Riesen getötet.“ Der König schickte seine Soldaten in den Wald, und sie fanden die toten Riesen zwischen den ausgerissenen Bäumen.

Doch der König wollte sein Versprechen noch nicht halten. „Zuerst musst du ein Einhorn fangen“, sagte er. Der Schneider nahm ein Seil und eine Axt und ging in den Wald. Bald rannte das Einhorn direkt auf ihn zu. Der Schneider wartete, bis es ganz nah war, und sprang dann schnell hinter einen Baum. Das Einhorn rannte mit aller Kraft gegen den Baum, und sein Horn steckte fest im Stamm. Der Schneider legte ihm das Seil um den Hals und schlug das Horn mit der Axt aus dem Stamm. Dann brachte er das Tier zum König.

Dann sollte er noch ein wildes Schwein fangen. Als das Schwein den Schneider sah, zeigte es seine scharfen Zähne und rannte auf ihn zu. Der Schneider sprang in eine kleine Kirche. Das Schwein lief ihm in die Kirche nach, aber der Schneider sprang gleich oben durch das Fenster wieder hinaus. Dann lief er außen herum und machte die Tür zu. Das schwere Schwein konnte nicht durch das Fenster springen und war gefangen.

Jetzt musste der König sein Versprechen halten. Er gab dem Schneider seine Tochter und das halbe Königreich. So wurde aus einem Schneider ein König.

Eines Nachts sprach der junge König im Traum: „Junge, näh mir die Jacke und flick mir die Hose, sonst schlage ich dich mit dem Lineal!“ Die Königin hörte es und merkte: Ihr Mann war nur ein Schneider! Am Morgen erzählte sie es ihrem Vater. Der König sagte: „Lass heute Nacht deine Tür offen. Wenn er schläft, binden ihn meine Diener und bringen ihn auf ein Schiff, weit weg in die Welt.“ Aber ein Diener hörte alles und erzählte es dem jungen König.

In der Nacht stand die Königin auf, öffnete die Tür und legte sich wieder hin. Der Schneider schlief aber nicht. Er rief laut: „Junge, näh mir die Jacke und flick mir die Hose, sonst schlage ich dich mit dem Lineal! Ich habe sieben auf einen Streich getroffen, zwei Riesen getötet, ein Einhorn und ein Wildschwein gefangen. Soll ich da vor denen Angst haben, die draußen vor der Tür stehen?“ Als die Diener das hörten, bekamen sie große Angst und liefen davon. So blieb der kleine Schneider sein ganzes Leben lang König.

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