Grimms Märchen

Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack

Drei Brüder verlassen ihr Zuhause und bekommen besondere Geschenke von ihren Meistern.

Rozdział 7 Niemiecki A2 Podstawowy
Rzeczownik Nazwa własna Czasownik Czasownik posiłkowy Przymiotnik Przysłówek Zaimek Określnik Przyimek Liczebnik Spójnik współrzędny Spójnik podrzędny Partykuła Wykrzyknik Inne

Es war einmal ein Schneider. Er hatte drei Söhne und eine einzige Ziege. Die Ziege gab Milch für die ganze Familie, darum musste sie gutes Futter haben. Jeden Tag führte einer der Söhne sie auf die Wiese.

Einmal brachte der älteste Sohn die Ziege an einen Platz mit den schönsten Kräutern. Am Abend fragte er: „Ziege, bist du satt?“ Die Ziege antwortete:

„Ich bin so satt,

ich mag kein Blatt: mäh! mäh!“

„Hat die Ziege genug gefressen?“, fragte der Vater zu Hause. „Oh ja“, sagte der Sohn, „sie ist so satt, sie mag kein Blatt.“ Aber der Vater ging selbst in den Stall und fragte: „Ziege, bist du auch satt?“ Die Ziege antwortete:

„Wovon sollt ich satt sein?

Ich sprang nur über Gräbelein

und fand kein einzig Blättelein: mäh! mäh!“

„Du Lügner!“, rief der Schneider. „Die Ziege hat nichts gefressen!“ Wütend nahm er einen Stock und jagte den Sohn aus dem Haus. Am nächsten Tag ging der zweite Sohn mit der Ziege auf die Wiese und am dritten Tag der jüngste. Jedes Mal sagte die Ziege am Abend: „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt.“ Aber zu Hause sagte sie zum Vater wieder ihren anderen Vers. So jagte der Schneider auch den zweiten und den dritten Sohn fort.

Nun war der Schneider mit der Ziege allein. Er führte sie selbst auf die Wiese, und sie fraß bis zum Abend. „Ich bin so satt, ich mag kein Blatt“, sagte sie. Aber im Stall rief sie wieder: „Wovon sollt ich satt sein?“ Jetzt verstand der Schneider, dass seine Söhne unschuldig waren. Voller Zorn rasierte er der Ziege den Kopf ganz glatt und jagte sie mit der Peitsche fort. Nun war er allein und traurig.

Der älteste Sohn machte eine Lehre bei einem Schreiner. Als die Lehre zu Ende war, schenkte ihm sein Meister ein Tischlein aus einfachem Holz. Aber es war ein besonderes Tischlein. Wenn man sagte: „Tischlein, deck dich!“, dann lag sofort ein sauberes Tuch darauf. Dazu kamen Teller, Messer und Gabel, Schüsseln mit warmem Essen und ein großes Glas Rotwein. Der junge Schreiner zog fröhlich durch die Welt und hatte immer genug zu essen. Endlich dachte er: „Über das Tischlein freut sich mein Vater sicher, und dann ist er nicht mehr böse.“

Auf dem Heimweg kam er in ein Gasthaus voller Gäste. Er stellte sein Tischlein mitten ins Zimmer und sagte: „Tischlein, deck dich!“ Sofort stand das beste Essen darauf, und die Gäste aßen mit ihm bis spät in die Nacht. Der Wirt sah alles. In der Nacht nahm er das gute Tischlein heimlich weg und stellte ein altes Tischlein hin, das genauso aussah.

Der Schreiner merkte nichts. Zu Hause freute sich der Vater sehr. „Ich habe ein Tischlein mitgebracht, das alle satt macht“, sagte der Sohn. „Lade alle Verwandten ein!“ Als alle da waren, sagte er: „Tischlein, deck dich!“ Aber nichts geschah. Der Sohn schämte sich sehr, und die Verwandten lachten ihn aus und gingen hungrig nach Hause.

Der zweite Sohn machte eine Lehre bei einem Müller. Zum Abschied schenkte ihm der Müller einen Esel. „Er trägt keine Säcke“, sagte der Müller. „Aber wenn du ein Tuch unter ihn legst und ‚Bricklebrit‘ sagst, kommen vorn und hinten Goldstücke heraus.“ Nun hatte der junge Müller immer Geld. Auf dem Heimweg kam er in dasselbe Gasthaus. Am Abend wollte er bezahlen, aber er hatte kein Gold mehr. „Warte einen Augenblick“, sagte er zum Wirt und ging mit einem Tischtuch in den Stall. Der Wirt schaute neugierig durch ein Loch in der Tür. Er sah, wie der Gast „Bricklebrit“ rief und wie die Goldstücke auf das Tuch fielen. In der Nacht nahm der Wirt den Goldesel weg und stellte einen anderen Esel in den Stall.

Zu Hause rief der zweite Sohn alle Verwandten zusammen, legte ein Tuch aus und rief: „Bricklebrit!“ Aber kein einziges Goldstück fiel herunter, denn das war ein ganz normaler Esel. Die Verwandten bekamen kein Gold und gingen arm nach Hause.

Der dritte Sohn machte eine Lehre bei einem Drechsler. Seine Brüder schrieben ihm einen Brief über den bösen Wirt. Zum Abschied schenkte ihm sein Meister einen Sack. „Darin liegt ein Knüppel“, sagte der Meister. „Wenn dir jemand etwas Böses tut, sag nur: ‚Knüppel, aus dem Sack!‘ Dann springt der Knüppel heraus und schlägt ihn, bis du sagst: ‚Knüppel, in den Sack!‘“

Am Abend kam der junge Drechsler in dasselbe Gasthaus. Er erzählte laut: „Ein Tischlein-deck-dich und ein Goldesel sind schöne Dinge. Aber in meinem Sack habe ich einen viel größeren Schatz.“ Der Wirt dachte: „Das sind sicher Edelsteine. Die will ich auch haben.“ In der Nacht legte sich der Gast auf eine Bank, mit dem Sack unter dem Kopf. Der Wirt kam leise und zog vorsichtig am Sack. Aber der Drechsler schlief nicht und rief: „Knüppel, aus dem Sack!“ Sofort sprang der Knüppel heraus und schlug den Wirt auf den Rücken, bis er auf den Boden fiel. „Gib das Tischlein und den Goldesel zurück, sonst geht es weiter!“, sagte der Drechsler. „Ja, ich gebe alles zurück!“, rief der Wirt. Da sagte der Drechsler: „Knüppel, in den Sack!“

Am nächsten Morgen ging der Drechsler mit dem Tischlein und dem Goldesel nach Hause. „Was hast du mitgebracht?“, fragte der Vater. „Einen Knüppel im Sack“, sagte der Sohn. „Einen Knüppel?“, rief der Vater. „Den kannst du von jedem Baum abschlagen!“ Aber der Sohn erzählte ihm alles und rief die Verwandten und seine Brüder. Der zweite Bruder legte ein Tuch aus und sagte: „Bricklebrit!“ Da fielen die Goldstücke wie Regen herunter. Bald hatte jeder so viel Gold, wie er tragen konnte. Dann sagte der älteste Bruder: „Tischlein, deck dich!“, und schon stand das beste Essen auf dem Tisch. Alle aßen, tranken und waren fröhlich bis in die Nacht. Der Schneider schloss Nadel und Faden in einen Schrank und lebte mit seinen drei Söhnen glücklich und reich.

Und die Ziege? Sie schämte sich für ihren kahlen Kopf und versteckte sich in einer Fuchshöhle. Als der Fuchs nach Hause kam, sah er im Dunkeln nur ihre großen, leuchtenden Augen und bekam Angst. Er holte einen Bären zu Hilfe, aber auch der Bär traute sich nicht hinein. Erst eine kleine Biene flog mutig in die Höhle und stach die Ziege in den kahlen Kopf. Da sprang die Ziege auf, schrie „Mäh! Mäh!“ und lief davon. Bis heute weiß niemand, wohin.

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