Viele Grammatikerklärungen sind verwirrend, weil sie zwei unterschiedliche Fragen vermischen:

  1. Was für ein Wort oder Ausdruck ist das?
  2. Welche Aufgabe übernimmt es in diesem konkreten Satz?

Die erste Frage betrifft Wortklassen, die traditionell auch Wortarten heißen.

Die zweite betrifft Satzfunktionen, syntaktische Funktionen oder grammatische Relationen.

Den Unterschied zwischen diesen beiden Ebenen zu verstehen, ist eine besonders hilfreiche Grundlage für das Grammatiklernen – nicht nur im Englischen, sondern auch in anderen Sprachen.


Zwei unterschiedliche Fragen: Was ist es, und was tut es?

Schau Dir das Wort Daniel in diesen Sätzen an:

Daniel called Sarah.
Sarah called Daniel.
Sarah spoke to Daniel.
This is Daniel’s book.

Das Wort Daniel ist in jedem Beispiel ein Eigenname. Seine Wortart hat sich nicht verändert.

Seine Rolle im Satz hat sich aber verändert:

  • Im ersten Satz ist Daniel das Subjekt;
  • im zweiten ist es das Objekt;
  • im dritten ist es Teil einer Präpositionalphrase;
  • im vierten bezeichnet es die besitzende Person.

Daran zeigt sich der entscheidende Unterschied:

  • Die Wortart sagt Dir, um welche Art von sprachlichem Element es sich handelt;
  • die Satzfunktion sagt Dir, welche Aufgabe dieses Element in einem bestimmten Satz übernimmt.

Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.

Ein Nomen übernimmt oft die Funktion eines Subjekts oder Objekts. Es kann aber auch innerhalb eines Komplements, eines Modifikators oder einer Präpositionalphrase vorkommen. Ein Adjektiv bestimmt oft ein Nomen näher, kann aber auch einen wichtigen Teil des Prädikats bilden.

Vergleiche:

the tired student
The student is tired.

In beiden Beispielen ist tired ein Adjektiv. Im ersten bestimmt es das Nomen student näher. Im zweiten beschreibt es das Subjekt mithilfe des Verbs is.


1. Wortarten: Was für ein Element ist es?

Eine Wortart fasst Wörter zusammen, die sich grammatisch ähnlich verhalten.

Die Bedeutung hilft bei der Einordnung, reicht allein aber nicht aus. In der Sprachwissenschaft spielen auch Fragen wie diese eine Rolle:

  • Welche Formen kann das Wort annehmen?
  • An welchen Stellen im Satz kann es stehen?
  • Mit welchen anderen Wörtern kann es zusammen vorkommen?
  • Welche Arten von Phrasen kann es bilden?

Englische Nomen können zum Beispiel häufig nach Artikeln stehen:

a book
the house

Viele können auch Pluralformen bilden:

book → books
house → houses

Englische Verben verhalten sich anders. Sie können ihre Form häufig verändern, um eine Zeitform oder die Übereinstimmung mit dem Subjekt, die sogenannte Kongruenz, auszudrücken:

call → called
work → works
be → is, are, was, were

Der traditionelle Begriff Wortart ist nach wie vor weit verbreitet, besonders im Unterricht. In der modernen Sprachwissenschaft sind oft die Begriffe Wortklasse oder lexikalische Kategorie üblich.

Die wichtigsten Wortarten

Die genaue Einteilung unterscheidet sich je nach Grammatiktradition. Die folgenden Kategorien sind für Dich beim Lernen besonders hilfreich.

Nomen

Nomen bezeichnen typischerweise Menschen, Tiere, Gegenstände, Orte, Ereignisse, Stoffe oder abstrakte Vorstellungen.

Sarah, teacher, dog, city, water, meeting, freedom

Nomen können häufig als Subjekt oder Objekt auftreten:

Sarah opened the door.
Sarah opened the door.

Ein Nomen ist aber nicht automatisch ein Subjekt oder Objekt. Das hängt vom jeweiligen Satz ab.


Verben

Verben drücken typischerweise Handlungen, Ereignisse, Vorgänge, Zustände oder Beziehungen aus.

run, call, happen, change, know, exist, be

Verben bilden normalerweise das grammatische Zentrum eines englischen Teilsatzes:

Sarah called Daniel.
The weather changed.
Daniel knows the answer.

Allerdings beschreibt nicht jedes Verb eine absichtliche Handlung. Verben wie know, belong, exist und seem beschreiben eher Zustände oder Beziehungen als Handlungen.


Adjektive

Adjektive drücken typischerweise Eigenschaften, Merkmale oder Zuordnungen aus.

tall, interesting, difficult, wooden, international

Sie können Nomen näher bestimmen:

an interesting book

Sie können auch nach Kopulaverben wie be, seem oder become stehen:

The book is interesting.
The task seems difficult.


Adverbien

Adverbien bilden eine vielfältige Kategorie. Sie können Zeit, Ort, Art und Weise, Grad, Häufigkeit oder die Haltung der sprechenden Person ausdrücken.

yesterday, here, slowly, very, often, probably

Beispiele:

Sarah arrived yesterday.
Daniel spoke slowly.
The answer is probably correct.

Im Englischen ist nicht jedes Wort mit der Endung -ly ein Adverb, und nicht jedes Adverb endet auf -ly.

friendly — Adjektiv
fast — Adjektiv oder Adverb
often — Adverb


Pronomen

Pronomen verweisen auf Menschen, Dinge, Gruppen oder Vorstellungen, ohne sie erneut zu benennen.

I, you, she, he, it, we, they, someone, who, this

Vergleiche:

Sarah called Daniel.
She called him.

Englische Pronomen sind besonders aufschlussreich, weil einige von ihnen ihre Form je nach grammatischer Rolle verändern:

she called him
he called her

Der Unterschied zwischen she und her hilft Dir zu erkennen, wer das Subjekt und wer das Objekt ist.


Determinative

Determinative stehen am Anfang von Nominalphrasen. Sie helfen dabei anzugeben, welche Person oder Sache gemeint ist, um wie viele es geht oder wem sie gehören.

a, the, this, those, my, every, some, three

Beispiele:

the book
my phone
those students
three questions

Traditionelle Schulgrammatiken ordnen einige dieser Wörter manchmal den Adjektiven oder Pronomen zu. Moderne Grammatiken des Englischen behandeln Determinative oft als eigene Kategorie, weil sie sich anders verhalten als gewöhnliche Adjektive.


Präpositionen

Präpositionen drücken Beziehungen aus, die etwa Ort, Zeit, Richtung, Ursache, Mittel oder Begleitung betreffen.

in, on, at, with, from, to, because of, under

Beispiele:

in the room
after lunch
with Daniel
because of the weather

Eine Präposition leitet normalerweise eine Präpositionalphrase ein:

Sarah spoke to Daniel.
They met after work.


Konjunktionen

Konjunktionen verbinden Wörter, Phrasen oder Teilsätze.

and, but, or, because, although, if

Beispiele:

Sarah and Daniel
tired but happy
We stayed inside because it was raining.


Hilfsverben

Hilfsverben helfen dabei, Fragen, Verneinungen, Zeitformen, Aspekt, Aktiv und Passiv sowie Modalität auszudrücken.

be, have, do, can, may, must, will

Beispiele:

Sarah is working.
Daniel has finished.
Did Sarah call?
You must leave.

Wörter wie be, have und do können sowohl als Hilfsverben als auch als Vollverben auftreten:

Sarah has finished. — Hilfsverb
Sarah has a car. — Vollverb


Partikeln und andere grammatische Wörter

Im Englischen gibt es auch kleine Wörter, deren Verhalten nicht immer eindeutig in die traditionellen Kategorien passt.

Dazu gehören zum Beispiel Partikeln in Phrasal Verbs:

turn off
give up
look after

Dieselbe Form kann je nach Verwendung unterschiedlichen Kategorien angehören:

She walked up the hill. — Präposition
She stood up. — Partikel oder Adverb, je nach Analyse

Das ist einer der Gründe, warum grammatische Kategorien nicht immer so einfach sind, wie die Listen aus dem Schulunterricht vermuten lassen.


Interjektionen und Antwortwörter

Interjektionen können Reaktionen, Gefühle, Begrüßungen oder Antworten im Gespräch ausdrücken.

oh, wow, ouch, hello, yes, no

Sie können für sich allein eine vollständige Äußerung bilden:

Wow!
Yes.
Hello!

Oft sind sie nur locker mit der grammatischen Struktur des umgebenden Satzes verbunden.


2. Satzfunktionen: Welche Aufgabe übernimmt das Element?

Eine Satzfunktion beschreibt, wie ein Wort, eine Phrase oder ein Teilsatz mit dem Rest des Satzes zusammenhängt.

Wichtig ist dabei: Satzfunktionen übernehmen nicht nur einzelne Wörter, sondern meist ganze Phrasen.

In diesem Satz:

The new student from Spain answered the question.

ist nicht nur das Wort student das Subjekt. Die gesamte Nominalphrase the new student from Spain übernimmt die Subjektfunktion.

Die Bezeichnungen für Satzfunktionen unterscheiden sich zwischen traditioneller Grammatik und moderner Sprachwissenschaft etwas. Die folgenden Kategorien geben Dir eine hilfreiche Grundlage.


Subjekt

Das Subjekt ist das Element, das in einer zentralen grammatischen Beziehung zum Verb oder Prädikat steht.

In englischen Aussagesätzen steht es häufig vor dem Verb:

Sarah called Daniel.
The window broke.
This book is useful.

Das Subjekt bezeichnet oft die Person oder Sache, die eine Handlung ausführt:

Daniel opened the door.

Das ist aber keine vollständige Definition.

Das Subjekt kann auch Folgendes bezeichnen:

  • jemanden oder etwas, das ein Ereignis erlebt;
  • etwas, dessen Zustand sich verändert;
  • jemanden oder etwas, das beschrieben wird;
  • jemanden oder etwas, das einfach existiert oder an einer Situation beteiligt ist.

Beispiele:

Sarah heard a noise.
The glass broke.
Daniel is tired.
The problem still exists.

Sarah führt das Hören nicht absichtlich aus. Das Glas zerbricht nicht mit Absicht. Trotzdem sind Sarah und the glass die grammatischen Subjekte.

Eine verlässlichere und gut verständliche Definition lautet:

Das Subjekt ist das Element, um das herum der Teilsatz grammatisch aufgebaut ist und über das das Prädikat etwas aussagt.

Auch das ist nur eine Annäherung, denn Subjekte verhalten sich von Sprache zu Sprache unterschiedlich. Die Definition ist aber genauer als die Aussage, das Subjekt sei immer „die Person, die die Handlung ausführt“.


Prädikat

Das Prädikat ist das, was der Satz über das Subjekt aussagt.

Im Satz:

Sarah called Daniel.

lautet das Prädikat:

called Daniel

Im Satz:

Daniel is tired.

lautet das Prädikat:

is tired

In der traditionellen Grammatik bezeichnet der Begriff Prädikat manchmal im engeren Sinne nur das Verb oder die Verbalphrase. In modernen Analysen umfasst er oft den gesamten Teil des Satzes ohne das Subjekt.

Das Prädikat kann Folgendes ausdrücken:

  • eine Handlung;
  • ein Ereignis;
  • einen Zustand;
  • eine Eigenschaft;
  • eine Identität;
  • eine Beziehung.

Beispiele:

Sarah ran home.
The window broke.
Daniel knows the answer.
Sarah is tired.
Daniel is a teacher.

Die wichtige Information steckt nicht immer allein im Verb.

Im Satz:

Daniel is a teacher.

verknüpft das Verb is das Subjekt mit der Beschreibung a teacher. Der Ausdruck a teacher trägt einen großen Teil der lexikalischen Bedeutung des Satzes.


Objekt

Ein Objekt ist eine Phrase, die eng mit dem Verb verbunden ist und typischerweise eine Person oder Sache bezeichnet, die vom Geschehen betroffen ist.

Sarah called Daniel.
Daniel opened the window.
They discussed the problem.

Im Englischen unterscheidet man üblicherweise zwischen direkten Objekten und indirekten Objekten.

Direktes Objekt

Das direkte Objekt bezeichnet typischerweise die Person oder Sache, die am unmittelbarsten vom Geschehen betroffen ist, wahrgenommen oder geschaffen wird oder daran beteiligt ist.

Sarah opened the door.
Daniel read the article.
They built a house.

Indirektes Objekt

Das indirekte Objekt bezeichnet häufig jemanden, der etwas erhält oder von etwas profitiert.

Sarah gave Daniel the book.

Hier gilt:

  • Daniel ist das indirekte Objekt;
  • the book ist das direkte Objekt.

Im Englischen lässt sich eine ähnliche Beziehung oft mit einer Präpositionalphrase ausdrücken:

Sarah gave the book to Daniel.

Die beiden Strukturen haben eine ähnliche Bedeutung, sind grammatisch aber nicht identisch.


Komplement

Ein Komplement vervollständigt die Bedeutung eines Verbs, Adjektivs, Nomens oder Teilsatzes.

Vergleiche:

Daniel became a teacher.
Sarah seems tired.
They put the book on the table.

In diesen Beispielen sind die fett hervorgehobenen Ausdrücke keine gewöhnlichen direkten Objekte.

  • a teacher gibt an, was Daniel ist;
  • tired beschreibt Sarah;
  • on the table nennt den Ort, den das Verb put als Ergänzung verlangt.

Der Begriff Komplement ist weit gefasst, und Grammatikbücher verwenden ihn etwas unterschiedlich. Für Dich ist vor allem wichtig: Ein Komplement ist ein Element, das ein anderer Teil des Satzes aufgrund seiner grammatischen Eigenschaften verlangt oder zulässt.


Modifikator

Ein Modifikator fügt einem anderen Element zusätzliche Informationen hinzu.

the old house
a book about language
the student who arrived late

Modifikatoren können Folgendes beschreiben:

  • Eigenschaften;
  • Mengen;
  • Orte;
  • Besitzverhältnisse;
  • Identität;
  • zusätzliche Umstände.

Sie können aus einzelnen Wörtern, Phrasen oder Teilsätzen bestehen.


Adverbiale Bestimmung

Eine adverbiale Bestimmung informiert über die Umstände eines Ereignisses oder Zustands.

Sie kann Folgendes ausdrücken:

  • Zeit;
  • Ort;
  • Art und Weise;
  • Grund;
  • Zweck;
  • Häufigkeit;
  • Dauer;
  • Bedingung;
  • Grad.

Beispiele:

Sarah called yesterday.
They met in Budapest.
Daniel answered very carefully.
We stayed home because of the storm.
She studies to improve her English.

Eine adverbiale Bestimmung muss kein Adverb sein.

Sie kann zum Beispiel sein:

  • ein Adverb: yesterday;
  • eine Präpositionalphrase: in Budapest;
  • eine Nominalphrase: last week;
  • ein Teilsatz: because it was raining.

Das ist ein weiteres anschauliches Beispiel für den Unterschied zwischen Wortart und Satzfunktion.

Yesterday ist ein Adverb, das als adverbiale Bestimmung dient.

In Budapest ist eine Präpositionalphrase, die als adverbiale Bestimmung dient.

Last week ist eine Nominalphrase, die als adverbiale Bestimmung dient.

Unterschiedliche Arten von Ausdrücken können dieselbe Satzfunktion übernehmen.


Wortart und Satzfunktion lassen sich nicht eins zu eins zuordnen

Es ist verlockend, einfache Zuordnungen wie diese zu lernen:

  • Nomen = Subjekt;
  • Adjektiv = Modifikator;
  • Adverb = adverbiale Bestimmung;
  • Verb = Prädikat.

Diese Verbindungen kommen häufig vor, sind aber keine festen Regeln.

Eine Nominalphrase kann als Subjekt dienen:

The new manager arrived.

Sie kann als Objekt dienen:

We met the new manager.

Sie kann als Komplement dienen:

Sarah became the new manager.

Sie kann sogar als adverbiale Bestimmung dienen:

We met last Monday.

Ein Adjektiv kann ein Nomen näher bestimmen:

a quiet room

oder im Prädikat stehen:

The room is quiet.

Eine Präpositionalphrase kann ein Nomen näher bestimmen:

the book on the table

oder als adverbiale Bestimmung dienen:

The book is on the table.

Die Beziehung zwischen Form und Funktion ist also flexibel:

Dieselbe Wortart kann mehrere Funktionen übernehmen, und dieselbe Funktion können unterschiedliche Arten von Phrasen erfüllen.

Dieses Prinzip hilft Dir viel mehr, als starre Eins-zu-eins-Zuordnungen auswendig zu lernen.


Die Wortart eines Wortes steht nicht immer dauerhaft fest

Es ist hilfreich, sich die Wortart als „Wörterbuchebene“ vorzustellen. Dieser Vergleich hat aber Grenzen.

Dieselbe geschriebene Form kann mehr als eine grammatische Verwendung haben.

Schau Dir das englische Wort call an:

I received a call. — Nomen
Please call me. — Verb

Oder email:

I sent an email. — Nomen
Please email the document. — Verb

Oder clean:

a clean room — Adjektiv
Please clean the room. — Verb

Oder fast:

a fast car — Adjektiv
The car moved fast. — Adverb

Im Englischen können Wörter häufig die Kategorie wechseln, ohne eine sichtbare Endung zu erhalten. In der Sprachwissenschaft heißt dieser Vorgang oft Konversion oder Nullableitung.

Deshalb ist die genaueste Frage nicht immer:

Welche Wortart hat dieses Wort?

Oft ist die bessere Frage:

Als welche Wortart kommt diese Form in diesem Satz vor?

Ein Wörterbuch kann dieselbe Schreibweise daher unter mehreren Wortarten aufführen.


Das Subjekt ist nicht dasselbe wie das Agens

Eine der wichtigsten Unterscheidungen in der Grammatik ist der Unterschied zwischen einer grammatischen Funktion und einer semantischen Rolle.

Eine grammatische Funktion beschreibt die Struktur des Satzes:

  • Subjekt;
  • Objekt;
  • Komplement.

Eine semantische Rolle beschreibt, wie jemand oder etwas am Geschehen beteiligt ist:

  • Agens: wer absichtlich handelt;
  • Experiens: die Person, die etwas wahrnimmt oder empfindet;
  • Patiens: wer oder was vom Geschehen betroffen ist;
  • Rezipiens: die Person, die etwas erhält;
  • Instrument: die Sache, mit deren Hilfe eine Handlung ausgeführt wird.

Schau Dir diesen Satz an:

Daniel opened the door.

Daniel ist hier beides:

  • das grammatische Subjekt;
  • das semantische Agens.

Vergleiche nun:

Daniel heard a noise.

Daniel ist weiterhin das grammatische Subjekt. Semantisch übernimmt er aber die Rolle des Experiens, nicht die eines absichtlich handelnden Agens.

Nun dieser Satz:

The door opened.

The door ist das Subjekt, aber kein Agens.

Und:

The door was opened by Daniel.

The door ist jetzt das grammatische Subjekt, obwohl Daniel weiterhin das semantische Agens ist.

Diese Unterscheidung erklärt, warum „Das Subjekt ist die Person, die die Handlung ausführt“ für einige einfache Einstiegsbeispiele funktioniert, als allgemeine Definition aber nicht ausreicht.


Das grammatische Zentrum ist nicht immer ein einfaches Tätigkeitsverb

Viele einführende Grammatikerklärungen stellen einen Satz so dar:

Subjekt + Tätigkeitsverb + Objekt

Dieses Muster ist häufig:

Sarah opened the window.

Englische Sätze können aber auch um viele andere Arten von Prädikaten herum aufgebaut sein.

Ereignisse

The window broke.

Zustände

Daniel knows the answer.

Eigenschaften

Sarah is tired.

Identität oder Zuordnung

Daniel is a teacher.

Existenz

There is a problem.

Erleben

Sarah likes music.

Grammatik muss deshalb mehr als absichtliche Handlungen beschreiben. Sie muss auch Zustände, Eigenschaften, Identitäten, Veränderungen, Erfahrungen und Beziehungen erfassen.


Gilt diese Unterscheidung für alle Sprachen?

Die Unterscheidung zwischen der Art eines Ausdrucks und seiner Rolle innerhalb einer größeren Struktur ist über Sprachgrenzen hinweg äußerst hilfreich.

Wir sollten aber nicht davon ausgehen, dass jede Sprache Wörter und Satzfunktionen genauso einteilt wie das Englische.

Sprachen unterscheiden sich darin:

  • wie deutlich sie Nomen, Verben und Adjektive voneinander abgrenzen;
  • wie sich Subjekte und Objekte verhalten;
  • ob Pronomen erforderlich sind;
  • wie sie grammatische Beziehungen kennzeichnen;
  • wie sie zwischen Thema und Subjekt unterscheiden;
  • wie viele Informationen sie durch Wortstellung, Endungen, Partikeln oder Verbformen ausdrücken.

In der Sprachwissenschaft unterscheidet man deshalb zwischen:

  1. sprachspezifischen Kategorien, deren Definition sich danach richtet, wie eine bestimmte Sprache funktioniert;
  2. Vergleichskonzepten, mit denen Forschende Muster verschiedener Sprachen vergleichen können.

Die Kategorien Nomen, Verb, Subjekt und Objekt sind äußerst hilfreich. Ihre genauen Eigenschaften lassen sich aber nicht einfach unverändert von einer Sprache auf alle anderen übertragen.

Sprachübergreifende Projekte wie Universal Dependencies nutzen ein gemeinsames Modell, um viele Sprachen zu analysieren, und lassen zugleich sprachspezifische Unterschiede zu. In diesem Modell bilden Wortart, morphologische Informationen und syntaktische Beziehungen getrennte Ebenen der Beschreibung. Das spiegelt dieselbe grundlegende Erkenntnis wider, die dieses Kapitel vermittelt: Die Art eines Ausdrucks und seine Rolle im Satz hängen zusammen, sind aber nicht dasselbe.


Drei Fragen, mit denen Du fast jeden Satz besser verstehst

Wenn Du einen Satz analysierst, helfen Dir drei getrennte Fragen.

1. Was für ein Element ist das?

Ist es ein Nomen, Verb, Adjektiv, Pronomen, Determinativ, eine Präposition, eine Partikel oder eine andere Art von Ausdruck?

2. Welche Rolle übernimmt es hier?

Dient es als Subjekt, Objekt, Komplement, Modifikator oder adverbiale Bestimmung?

3. Woran lässt sich diese Rolle erkennen?

Mögliche Hinweise sind:

  • Wortstellung;
  • Kasusendungen;
  • Präpositionen oder Postpositionen;
  • Partikeln;
  • Kongruenz am Verb;
  • die Form des Pronomens;
  • Satzstruktur;
  • Intonation;
  • Bedeutung und Kontext.

Diese dritte Frage führt zu einem der spannendsten Bereiche der Grammatik.

Woran erkennst Du beim Zuhören, wer wem was getan hat?

Im Englischen spielt die Wortstellung eine besonders große Rolle. Ungarisch und Russisch nutzen umfangreiche Kasusmarkierungen. Japanisch und Koreanisch verwenden häufig Partikeln. Spanisch kombiniert Wortstellung mit Verbkongruenz und differenzieller Objektmarkierung. Mandarin nutzt Wortstellung, Partikeln, Konstruktionen und Kontext.

Sprachen drücken grammatische Beziehungen also nicht alle auf dieselbe Weise aus. Sie verteilen diese Aufgabe unterschiedlich.


Das Wichtigste auf einen Blick

Die wichtigste Erkenntnis ist einfach:

Die Kategorie eines Wortes ist nicht dasselbe wie seine Funktion im Satz.

Ein Nomen ist nicht automatisch ein Subjekt.

Ein Subjekt ist nicht immer ein Agens.

Ein Adjektiv bestimmt nicht nur Nomen näher.

Eine adverbiale Bestimmung muss kein Adverb sein.

Und dieselbe geschriebene Form kann in unterschiedlichen Kontexten verschiedenen Wortarten angehören.

Wenn Du diese Ebenen auseinanderhältst, wirkt Grammatik weniger wie eine Sammlung unzusammenhängender Begriffe. Stattdessen erkennst Du ein System aus Formen, Funktionen und Beziehungen.

Im nächsten Kapitel vergleichen wir, wie verschiedene Sprachen diese Beziehungen kenntlich machen – durch Wortstellung, Kasusendungen, Partikeln, Kongruenz und Kontext.