Diese Beschreibungen sind hilfreich, können aber leicht zu stark vereinfachen.
Sprachen nutzen selten nur eine einzige Methode, um zu zeigen, wer handelt, wer betroffen ist, wer etwas erhält oder welche Rolle die einzelnen Beteiligten spielen. Stattdessen kombinieren sie meist mehrere Arten grammatischer und kontextueller Informationen.
Dieses Kapitel zeigt, wie einige der großen Sprachen der Welt dasselbe grundlegende Kommunikationsproblem lösen:
Woher weiß eine hörende Person, wer wem was getan hat?
Ein Ereignis, mehrere Ebenen von Information
Betrachte diesen englischen Satz:
Sarah encouraged Daniel.
Wir können ihn auf mehreren Ebenen beschreiben.
Wortarten
- Sarah ist ein Eigenname.
- encouraged ist ein Verb.
- Daniel ist ein Eigenname.
Grammatische Funktionen
- Sarah ist das Subjekt.
- Daniel ist das direkte Objekt.
Semantische Rollen
- Sarah ist die Person, die ermutigt.
- Daniel ist die Person, die die Ermutigung erhält oder erlebt.
In diesem einfachen Aktivsatz passen die grammatische und die semantische Ebene sauber zusammen.
Vergleiche nun:
Daniel was encouraged by Sarah.
Das grundlegende Ereignis ist fast dasselbe. Sarah ist weiterhin die Quelle der Ermutigung, und Daniel ist weiterhin die Person, die sie erhält.
Aber die grammatische Struktur hat sich verändert:
- Daniel ist jetzt das Subjekt;
- Sarah erscheint in einer by-Phrase;
- das Verb steht im Passiv.
Darum kannst Du grammatische Rollen nicht nur dadurch bestimmen, dass Du fragst, wer die Handlung ausführt. Sprachen nutzen Grammatik, um Ereignisse aus unterschiedlichen Perspektiven zu ordnen.
Die wichtigsten Signale, die Sprachen nutzen können
Sprachen haben mehrere Werkzeuge, um grammatische Beziehungen zu markieren. Wie stark sie die einzelnen Werkzeuge nutzen, unterscheidet sich enorm.
1. Wortstellung
Die Position eines Wortes oder einer Phrase kann ihre Rolle anzeigen.
Vergleiche:
Sarah called Daniel.
Daniel called Sarah.
Im Englischen kehrt die Vertauschung der beiden Namen die naheliegendste Interpretation um, wer angerufen hat.
2. Kasusmarkierung und andere Nomenmarker
Ein Nomen kann seine Form ändern oder eine Endung erhalten, die seine grammatische Rolle kennzeichnet.
Im Ungarischen:
Sarah felhívta Danielt.
Die Endung -t markiert Daniel als direktes Objekt.
Andere Sprachen können für ähnliche Zwecke flektierende Kasusendungen, Klitika, Partikeln, Präpositionen oder Postpositionen verwenden.
3. Kongruenz am Verb
Das Verb kann Informationen über sein Subjekt oder andere Beteiligte tragen.
Spanisch:
Hablo.
„Ich spreche.“
Die Endung von hablo zeigt ein Subjekt in der ersten Person Singular an; darum ist ein eigenes Pronomen oft nicht nötig.
Manche Sprachen packen noch mehr Informationen über Beteiligte in das Verb.
4. Besondere Konstruktionen
Passivkonstruktionen, Fragestrukturen, Topikkonstruktionen und Muster mit vorangestelltem Objekt können die übliche Anordnung eines Satzes verändern.
Englisch:
Sarah opened the door.
The door was opened by Sarah.
Mandarin:
Subjekt-Verb-Objekt-Strukturen sind häufig, aber die bǎ-Konstruktion stellt ein markiertes Objekt vor das Hauptverb.
5. Bedeutung, Kontext und gemeinsames Wissen
Grammatik funktioniert nicht isoliert.
Hörende nutzen auch:
- die Bedeutungen der Wörter;
- was körperlich oder sozial plausibel ist;
- was bereits erwähnt wurde;
- ob ein Beteiligter menschlich oder belebt ist;
- ob etwas bestimmt oder bereits bekannt ist;
- Intonation und Betonung.
Betrachte:
Das Kind aß das Sandwich.
Auch ohne detaillierte grammatische Analyse macht unser Weltwissen eine Interpretation deutlich wahrscheinlicher als die umgekehrte.
Bedeutung hilft aber weniger, wenn beide Möglichkeiten plausibel sind:
Sarah called Daniel.
Daniel called Sarah.
In solchen Fällen werden grammatische Signale entscheidend.
Englisch: Die Wortstellung leistet einen großen Teil der Arbeit
Englisch hat bei gewöhnlichen Nomen relativ wenig Kasusmarkierung. Die Nomen Sarah und Daniel verändern sich sichtbar nicht danach, ob sie Subjekt oder Objekt sind.
Darum ist die Wortstellung sehr wichtig.
Das häufigste neutrale Muster ist:
Subjekt – Verb – Objekt
oder:
SVO
Zum Beispiel:
Sarah called Daniel.
Daniel thanked Sarah.
Eine Änderung der Reihenfolge verändert die naheliegendste Interpretation:
Sarah encouraged Daniel.
Daniel encouraged Sarah.
Das bedeutet nicht, dass jede Nominalphrase vor einem Verb automatisch das Subjekt ist oder dass jede Nominalphrase nach dem Verb automatisch das Objekt ist.
Englisch nutzt außerdem:
- Hilfsverben;
- Kasusunterschiede bei Pronomen;
- Präpositionen;
- Verbkongruenz;
- Passivkonstruktionen;
- Fragestrukturen;
- Relativsätze;
- Kontext.
Pronomenformen liefern zusätzliche Informationen
Vergleiche:
She called him.
He called her.
Englische Pronomen bewahren Unterscheidungen, die gewöhnliche Nomen größtenteils verloren haben.
- she und he sind Subjektformen;
- her und him sind Objektformen.
Das bedeutet: Englisch beruht nicht allein auf Wortstellung.
Fragen verändern die übliche Reihenfolge
In vielen Fragen erscheint ein Hilfsverb vor dem Subjekt:
Did Sarah call Daniel?
Das erste Element ist nicht das Subjekt. Das Subjekt bleibt Sarah.
Passivsätze ordnen die Beteiligten neu
Vergleiche:
Sarah encouraged Daniel.
Daniel was encouraged by Sarah.
Im Aktivsatz ist Sarah das Subjekt.
Im Passivsatz wird Daniel zum grammatischen Subjekt, obwohl seine semantische Rolle im Ereignis weitgehend gleich bleibt.
Englisch stützt sich also stark auf Wortstellung, aber Wortstellung wirkt innerhalb eines größeren grammatischen Systems.
Französisch: relativ feste Reihenfolge, aber besondere Pronomenpositionen
Auch Französisch hat ein dominantes SVO-Muster:
Sarah appelle Daniel.
„Sarah ruft Daniel an.“
Bei vollständigen Nominalphrasen spielt die Wortstellung eine große Rolle dabei, Subjekt und Objekt zu unterscheiden.
Objektpronomen stehen jedoch meist vor dem Verb:
Sarah l’appelle.
„Sarah ruft ihn an.“
Das Objektpronomen le, hier zu l’ verkürzt, steht nicht an der Stelle, an der eine vollständige Objekt-Nominalphrase normalerweise stehen würde.
Vergleiche:
Sarah appelle Daniel.
Sarah l’appelle.
Das zeigt ein wichtiges allgemeines Prinzip:
Eine Sprache kann für vollständige Nominalphrasen und kurze grammatische Pronomen unterschiedliche Regeln der Wortstellung verwenden.
Französisch nutzt außerdem:
- Subjektpronomen;
- Objektpronomen;
- Präpositionen;
- Hilfsverben;
- Kongruenz in bestimmten Konstruktionen;
- relativ feste Satzmuster.
Französisch hängt daher stark von der Wortstellung ab, lässt sich aber nicht auf die Regel „Subjekt vor dem Verb, Objekt nach dem Verb“ reduzieren.
Spanisch: Wortstellung, Verbendungen und Objektmarkierung
Spanisch wird oft als SVO-Sprache beschrieben, doch seine Satzstruktur ist flexibler als die des Englischen.
Ein neutraler Satz könnte lauten:
Sara llamó a Daniel.
„Sarah rief Daniel an.“
Mehrere Signale wirken gleichzeitig.
Das Verb zeigt Merkmale des Subjekts an
Die Form llamó zeigt dritte Person Singular in der Vergangenheit an.
Spanische Verben liefern oft genug Information, sodass das Subjektpronomen weggelassen werden kann:
Llamé a Daniel.
„Ich rief Daniel an.“
Die Endung von llamé zeigt, dass das Subjekt in der ersten Person Singular steht.
Diese Eigenschaft wird manchmal als pro-drop beschrieben. Das bedeutet, dass ein unbetontes Subjektpronomen häufig unausgesprochen bleiben kann.
Das persönliche a markiert viele menschliche Objekte
In:
Sara llamó a Daniel.
hilft das a vor Daniel, ein menschliches, spezifisches direktes Objekt zu markieren.
Traditionell nennt man das persönliches a.
Es erscheint nicht vor jedem Objekt:
Sara compró un libro.
„Sarah kaufte ein Buch.“
Ob a verwendet wird, hängt unter anderem von Personenbezug, Belebtheit, Spezifizität und der jeweiligen Konstruktion ab.
Objektpronomen haben eigene Positionen
Sara lo llamó.
„Sarah rief ihn an.“
Das Objektpronomen lo steht vor dem finiten Verb, obwohl ein vollständiges Objekt-Nomen normalerweise danach folgt.
Wortstellung vermittelt auch Fokus
Spanisch erlaubt mehrere Reihenfolgen, die im gewöhnlichen Englisch ungewöhnlich oder stark markiert klingen würden.
Die Wahl kann davon abhängen:
- was bereits bekannt ist;
- was neu ist;
- was kontrastiert wird;
- was die sprechende Person betonen möchte.
Spanisch kombiniert daher Wortstellung, Verbmorphologie, Objektmarkierung, Pronomen und Informationsstruktur.
Ungarisch: Kasusendungen signalisieren Rollen, Wortstellung formt die Aussage
Ungarisch nutzt Suffixe sehr intensiv.
Ein direktes Objekt wird häufig mit -t markiert:
Sarah felhívta Danielt.
„Sarah rief Daniel an.“
Weil Danielt einen Objektmarker trägt, kann es an mehreren Positionen erscheinen, ohne zum Subjekt zu werden.
Vergleiche:
Sarah felhívta Danielt.
Danielt Sarah hívta fel.
Sarah Danielt hívta fel.
In allen drei Sätzen bleibt Danielt das Objekt.
Die Sätze vermitteln jedoch nicht exakt dasselbe.
Ungarische Wortstellung ist flexibel, nicht zufällig
Die Reihenfolge spiegelt oft Folgendes wider:
- Topik;
- Fokus;
- Kontrast;
- ob Information neu oder bereits bekannt ist;
- den Geltungsbereich der Verneinung;
- die Beziehung zwischen dem Verb und seinem Präfix.
Zum Beispiel:
Sarah felhívta Danielt.
Das kann eine relativ neutrale Aussage sein.
Sarah Danielt hívta fel.
Dies setzt tendenziell einen kontrastiven Fokus auf Danielt: Sarah rief Daniel an und nicht jemand anderen.
Danielt Sarah hívta fel.
Je nach Kontext und Intonation kann dies Sarah mit einer anderen möglichen anrufenden Person kontrastieren.
Kasusendungen ermöglichen es der ungarischen Wortstellung, stärker diskursbezogene Aufgaben zu übernehmen; sie machen die Wortstellung aber nicht unwichtig.
Auch das Verb liefert Informationen
Ungarische Verben können Folgendes anzeigen:
- Person;
- Numerus;
- Zeit;
- Modus;
- in vielen Konstruktionen, ob das Objekt bestimmt ist.
Zum Beispiel unterscheidet Ungarisch zwischen Verbformen, die mit unbestimmten und bestimmten Objekten verbunden sind:
Olvasok egy könyvet.
„Ich lese ein Buch.“
Olvasom a könyvet.
„Ich lese das Buch.“
Diese Unterscheidung entspricht nicht genau der deutschen Bestimmtheit, zeigt aber, wie Informationen über Beteiligte auch am Verb erscheinen können.
Ungarisch verteilt grammatische Informationen daher auf Endungen, Verbformen, Wortstellung und Kontext.
Russisch: Kasusmarkierung und Informationsstruktur
Russische Nomen, Adjektive und Pronomen können ihre Form je nach grammatischem Kasus verändern.
Kasus helfen dabei, Beziehungen auszudrücken wie:
- Subjekt;
- direktes Objekt;
- Besitz;
- Empfänger;
- Instrument;
- Ort.
Weil diese Beziehungen oft morphologisch markiert sind, erlaubt Russisch mehr Variation in der Wortstellung als Englisch.
Ein neutrales Muster ist häufig SVO, aber andere Reihenfolgen sind möglich.
Die Reihenfolge kann signalisieren:
- worum es im Satz geht;
- welche Information neu ist;
- Kontrast;
- Betonung;
- stilistische Effekte.
Es gibt keine einzige universelle Objektendung
Es wäre irreführend zu sagen, dass Russisch jedes Objekt mit einer bestimmten Endung markiert.
Die Akkusativform hängt ab von:
- grammatischem Genus;
- Numerus;
- Deklinationstyp;
- Belebtheit.
Bei manchen Nomen sieht der Akkusativ aus wie der Nominativ. Bei anderen, besonders bei belebten maskulinen Nomen, kann er dem Genitiv ähneln.
Das bedeutet, dass die Rolle eines Nomens durch eine Kombination aus Folgendem signalisiert werden kann:
- seiner Endung;
- Kongruenz an Adjektiven;
- der Form von Pronomen;
- der Verbbedeutung;
- der Wortstellung;
- dem Kontext.
Russisch ist reich an Kasus, aber Kasusmarkierung beseitigt nicht jede mögliche Mehrdeutigkeit.
Mandarin-Chinesisch: starke Positionsmuster ohne Flexion europäischen Typs
Mandarin-Chinesisch hat vergleichsweise wenig Flexion.
Verben verändern sich normalerweise nicht nach:
- der Person des Subjekts;
- Singular- oder Plural-Kongruenz;
- Zeit in der Weise, wie englische oder spanische Verben es tun.
Auch Nomen haben kein Kasussystem, das mit Russisch oder Ungarisch vergleichbar wäre.
Die dominante Grundreihenfolge ist SVO:
Sarah called Daniel.
In einer typischen Entsprechung im Mandarin steht das Subjekt vor dem Verb und das Objekt danach.
Weil Wortformen relativ stabil bleiben, ist die Position ein wichtiger Hinweis.
Mandarin ist aber nicht einfach eine starre Abfolge unveränderlicher Wörter.
Aspekt ist nicht dasselbe wie Tempus
Mandarin nutzt Partikeln und andere Mittel, um anzuzeigen, ob ein Ereignis:
- abgeschlossen ist;
- andauert;
- zuvor erlebt wurde;
- fortgesetzt wird.
Diese Kategorien werden oft mit dem Begriff Aspekt beschrieben. Er betrifft, wie ein Ereignis verläuft oder betrachtet wird.
Topikstrukturen sind häufig
Ein Satz kann mit einem Topik beginnen, das festlegt, worum es im Rest des Satzes geht.
Das Topik ist nicht immer identisch mit dem grammatischen Subjekt.
Darum ist die einfache Regel „Das erste Nomen ist das Subjekt“ unzuverlässig.
Die bǎ-Konstruktion stellt das Objekt vor das Verb
Mandarin kann eine Struktur nutzen, die gewöhnlich bǎ-Konstruktion genannt wird.
Vereinfacht dargestellt:
Subjekt + bǎ + Objekt + Verbalphrase
Diese Konstruktion präsentiert das Objekt oft als etwas, das durch das Ereignis gezielt betroffen, gehandhabt, verändert oder erledigt wird.
Das Objekt erscheint daher vor dem Hauptverb, obwohl Mandarin allgemein als SVO-Sprache eingeordnet wird.
Mandarin kann Pluralität ausdrücken
Manchmal wird behauptet, Mandarin „habe keinen Plural“. Das ist zu stark formuliert.
Numerus bleibt oft unmarkiert, wenn er aus dem Kontext erschlossen werden kann. Mandarin hat aber mehrere Möglichkeiten, Pluralität auszudrücken, darunter:
- Zahlwörter;
- Quantoren;
- Klassifikatoren;
- kontextuelle Interpretation;
- den eingeschränkt verwendeten Pluralmarker -men bei bestimmten menschlichen Nomen und Pronomen.
Mandarin nutzt relativ wenig Flexion, besitzt aber eine komplexe Grammatik aus Wortstellung, Partikeln, Konstruktionen, Klassifikatoren, Aspektmarkern und Diskurskontext.
Japanisch: Kasuspartikeln und die Unterscheidung zwischen Subjekt und Topik
Japanisch hat eine dominante SOV-Reihenfolge:
Subjekt – Objekt – Verb
Ein vereinfachtes Beispiel ist:
Sara-ga Daniel-o hometa.
Sarah-NOM Daniel-AKK lobte
„Sarah lobte Daniel.“
Die Partikel -ga markiert häufig eine nominativische oder subjektbezogene Phrase.
Die Partikel -o markiert häufig ein direktes Objekt.
Weil die Nominalphrasen markiert sind, ist eine gewisse Umstellung möglich, obwohl das Verb normalerweise nahe am Ende des Satzes bleibt.
Wa ist nicht einfach ein weiterer Subjektmarker
Japanisches -wa wird Lernenden oft als Subjektmarker vorgestellt, aber das ist irreführend.
Es markiert vor allem ein Topik oder ein kontrastives Element.
Konzeptuell verglichen:
- ga kann das grammatische Subjekt identifizieren oder einführen;
- wa stellt etwas als Topik dar oder setzt es in Kontrast zu Alternativen.
Topik und Subjekt können sich auf dieselbe Sache beziehen, müssen es aber nicht.
Ein Satz kann sowohl ein Topik als auch ein grammatisch davon verschiedenes Subjekt enthalten.
Diese Unterscheidung ist zentral, um die japanische Informationsstruktur zu verstehen.
Partikeln können ausgelassen werden
In lockerer gesprochener Sprache können manche Partikeln ausgelassen werden, wenn die gemeinte Beziehung aus dem Kontext klar ist.
Das bedeutet, dass japanisch Hörende auch auf Folgendes zurückgreifen:
- Verbbedeutung;
- Belebtheit;
- gemeinsames Wissen;
- vorangegangenen Diskurs;
- erwartete Wortstellung.
Partikeln sind starke grammatische Signale, aber sie sind nicht die einzige Informationsquelle.
Koreanisch: ähnliche Oberflächenmuster, eigenes grammatisches System
Koreanisch ist ebenfalls überwiegend SOV und verwendet Marker nach Nominalphrasen.
Häufige Marker sind:
- -i/-ga für subjektbezogene oder nominativische Markierung;
- -eul/-reul für direkte Objekte;
- -eun/-neun für Topik oder Kontrast.
Die genaue Form hängt vom letzten Laut des vorangehenden Wortes ab.
Wie Japanisch unterscheidet Koreanisch häufig zwischen Topik und Subjekt.
Der Topikmarker kann anzeigen:
- worum es im Satz geht;
- Kontrast zu einer anderen Möglichkeit;
- Information, die im Gespräch bereits etabliert ist.
Wortstellung ist innerhalb von Grenzen flexibel
Weil Nominalphrasen Marker tragen können, erlaubt Koreanisch gewisse Umstellungen für Fokus- oder Diskurszwecke.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jede Reihenfolge gleich natürlich ist. Das Verb erscheint normalerweise am Ende, und unterschiedliche Anordnungen können unterschiedliche Betonungen erzeugen.
Marker können im Gespräch verschwinden
Im informellen Koreanisch können Kasuspartikeln manchmal ausgelassen werden, wenn ihre Funktion erschließbar ist.
Hörende verlassen sich dann stärker auf:
- Kontext;
- Plausibilität;
- Wortstellung;
- Intonation;
- die Bedeutung des Verbs.
Japanisch und Koreanisch ähneln sich in mehreren strukturellen Punkten, aber diese Ähnlichkeit darf nicht als Beweis dafür missverstanden werden, dass sie eng genetisch verwandt sind. Typologische Ähnlichkeit und historische Verwandtschaft sind getrennte Fragen.
Modernes Hocharabisch: Wortstellung, Kongruenz und Kasus
Arabisch braucht eine besonders sorgfältige Erklärung, weil sich Modernes Hocharabisch und die vielen gesprochenen arabischen Varietäten nicht identisch verhalten.
Im formellen Modernen Hocharabisch sind beide folgenden groben Muster möglich:
- Verb–Subjekt–Objekt, also VSO;
- Subjekt–Verb–Objekt, also SVO.
Die Wahl kann Kongruenzmuster und Informationsstruktur beeinflussen.
Formelles Arabisch hat grammatischen Kasus
Im vollständig vokalisierten Klassischen Arabisch und im formellen Modernen Hocharabisch können kurze Endvokale Folgendes markieren:
- Nominativ;
- Akkusativ;
- Genitiv.
Vereinfacht gesagt können diese Endungen helfen, grammatische Rollen zu unterscheiden.
Mehrere Einschränkungen sind jedoch wichtig.
Gewöhnliche arabische Schrift lässt kurze Vokale meist weg
Die meisten alltäglichen arabischen Texte zeigen die kurzen Vokalzeichen nicht, die viele Kasusendungen sichtbar machen würden.
Gesprochene Dialekte besitzen das vollständige Kasussystem weitgehend nicht
In den alltäglichen Varietäten des Arabischen sind die klassischen Kasusendungen größtenteils verschwunden.
Auch formelle Sprache realisiert sie nicht immer konsequent
Sprechende können in sorgfältigen Kontexten einige formelle Kasusendungen verwenden und andere weglassen.
Darum hängt die tatsächliche Interpretation oft von einer Kombination aus Folgendem ab:
- Wortstellung;
- Kongruenz;
- Präpositionen;
- Pronomen;
- Verborphologie;
- Kontext.
Wurzel-und-Muster-Morphologie ist ein anderes Thema
Arabisch ist dafür bekannt, Wortfamilien aus konsonantischen Wurzeln zu bilden, die mit vokalischen und morphologischen Mustern kombiniert werden.
Dieses System hilft, verwandte Verben, Nomen und Adjektive zu bilden.
Es ist ein wichtiges Merkmal der arabischen Wortstruktur, sollte aber nicht mit der engeren Frage verwechselt werden, wie ein Satz sein Subjekt von seinem Objekt unterscheidet.
Wortbildung und Satzfunktion sind verwandte Teile der Grammatik, aber sie sind nicht derselbe Mechanismus.
Hindi: Postpositionen und gespaltene Ergativität
Hindi hat eine dominante SOV-Reihenfolge:
Subjekt – Objekt – Verb
Es verwendet Postpositionen. Sie ähneln in ihrer Funktion deutschen Präpositionen, folgen aber der Nominalphrase, statt ihr voranzugehen.
Deutsch:
mit Daniel
Hindi folgt dem allgemeinen Muster:
Daniel mit
Vor bestimmten Postpositionen kann das Nomen außerdem in eine oblique Form wechseln.
Der Marker -ko
Der Marker -ko kann kennzeichnen:
- eine empfangende Person;
- ein Ziel;
- bestimmte direkte Objekte.
Aber nicht jedes direkte Objekt erhält -ko.
Seine Verwendung wird von Faktoren beeinflusst wie:
- menschlichem Bezug;
- Belebtheit;
- Bestimmtheit;
- Spezifizität;
- diskursiver Hervorhebung.
Dies ist ein Beispiel für differentielle Objektmarkierung: Manche Objekte erhalten eine ausdrückliche Markierung, andere nicht.
Der Marker -ne
In bestimmten abgeschlossenen transitiven Konstruktionen erhält der agensähnliche Beteiligte den Marker -ne.
Zum Beispiel in einer vereinfachten Glosse:
Mira-ne Ram-ko dekha.
Mira-ERG Ram-OBJ sah
„Mira sah Ram.“
Der Marker -ne ist kein allgemeiner Subjektmarker, der in jeder Zeitform und Konstruktion verwendet wird.
Er erscheint unter bestimmten grammatischen Bedingungen, besonders in vielen perfektiven transitiven Sätzen.
Gespaltene Ergativität
Hindi wird oft so beschrieben, dass es gespaltene Ergativität zeigt.
Das bedeutet, dass sich die Markierung der Beteiligten je nach Faktoren verändert wie:
- Aspekt;
- Transitivität;
- Satzstruktur.
Ein Beteiligter, der sich in einer Konstruktion wie ein gewöhnliches unmarkiertes Subjekt verhält, kann in einer anderen -ne erhalten.
Hindi lässt sich daher nicht korrekt mit einer einfachen dauerhaften Zuordnung beschreiben wie:
- -ne bedeutet immer Subjekt;
- -ko bedeutet immer Objekt.
Das System hängt vom Zusammenspiel von Kasusmarkierung, Aspekt, Kongruenz, Belebtheit, Spezifizität und Verbstruktur ab.
Ein vergleichender Überblick
| Sprache | Häufige Grundreihenfolge | Wichtige Signale | Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Englisch | SVO | Wortstellung, Pronominalkasus, Hilfsverben, Präpositionen | Fragen und Passivsätze verändern das übliche Muster |
| Französisch | SVO | relativ feste Reihenfolge, Pronomen, Präpositionen | Objektpronomen stehen häufig vor dem Verb |
| Spanisch | SVO | Wortstellung, reiche Verbformen, persönliches a, Pronomen | Subjekte können ausgelassen werden, und die Reihenfolge variiert mit dem Fokus |
| Ungarisch | flexibel, oft SVO | Kasussuffixe, Verbformen, Wortstellung, Intonation | flexible Reihenfolge drückt Topik, Fokus und Kontrast aus |
| Russisch | flexibel, oft SVO | Kasus, Kongruenz, Wortstellung, Kontext | Akkusativmarkierung variiert je nach Nominaltyp und Belebtheit |
| Mandarin | SVO | Wortstellung, Partikeln, Konstruktionen, Kontext | Topik- und bǎ-Strukturen weichen vom einfachen SVO ab |
| Japanisch | SOV | Kasuspartikeln, Topikmarkierung, Kontext | wa markiert Topik oder Kontrast, nicht einfach Subjekt |
| Koreanisch | SOV | Nomenmarker, Topikmarkierung, verbfinale Struktur | Partikeln können ausgelassen werden, wenn der Kontext ausreicht |
| Modernes Hocharabisch | VSO und SVO | Kongruenz, formeller Kasus, Wortstellung, Pronomen | vollständige Kasusendungen sind in gewöhnlicher Sprache und Schrift begrenzt |
| Hindi | SOV | Postpositionen, Kasusmarkierung, Kongruenz, Aspekt | -ne und -ko erscheinen nur unter bestimmten Bedingungen |
Die Tabelle zeigt dominante Tendenzen, keine absoluten Regeln.
Eine als SVO eingeordnete Sprache kann auch andere Reihenfolgen bilden. Eine Sprache mit Kasusmarkierung nutzt trotzdem Wortstellung. Eine Sprache mit Partikeln kann sie auslassen. Eine Sprache mit reicher Verbmorphologie verlässt sich dennoch auf Kontext.
Sprachen verteilen die Arbeit unterschiedlich
Oft beschreibt man Sprachen als:
- starr oder frei;
- einfach oder komplex;
- analytisch oder flektierend;
- positionsbasiert oder endungsbasiert.
Diese Gegensätze können nützlich sein, aber nur, wenn wir sie als Tendenzen behandeln und nicht als vollständige Beschreibungen.
Englisch legt mehr Verantwortung auf die Reihenfolge
Weil gewöhnliche englische Nomen wenig sichtbare Kasusinformation tragen, ist ihre Position entscheidend.
Sarah called Daniel.
Daniel called Sarah.
Eine kleine Änderung der Reihenfolge verändert die Interpretation.
Ungarisch und Russisch legen mehr Information auf Nomen
Kasusformen machen grammatische Beziehungen an der Nominalphrase selbst sichtbarer.
Dadurch kann die Wortstellung freier kommunizieren:
- Topik;
- Fokus;
- Kontrast;
- was alte oder neue Information ist.
Spanisch verteilt Information auf mehrere Systeme
Spanisch nutzt:
- Verbendungen;
- Objektmarkierung;
- Pronomenstellung;
- Wortstellung;
- Diskurskontext.
Kein einzelnes Signal erklärt das gesamte System.
Mandarin baut Grammatik ohne umfangreiche Flexion
Mandarin stützt sich stärker auf:
- Position;
- Aspektmarker;
- Partikeln;
- Klassifikatoren;
- spezialisierte Konstruktionen;
- Kontext.
Das Fehlen von Konjugation europäischen Typs bedeutet nicht, dass grammatische Komplexität fehlt.
Japanisch, Koreanisch und Hindi markieren Beziehungen nach Nomen
Diese Sprachen setzen grammatisches Material oft hinter Nominalphrasen.
Ihre Partikeln und Postpositionen sind jedoch keine einfachen Etiketten, die mechanisch an jeden Satz angehängt werden. Ihr Gebrauch interagiert mit Topik, Kontrast, Belebtheit, Aspekt und gemeinsamem Wissen.
Die wichtigste Erkenntnis lautet:
Sprachen lösen ähnliche Kommunikationsprobleme, indem sie Information unterschiedlich auf Wörter, Endungen, Partikeln, Reihenfolge, Verbformen und Kontext verteilen.
„Feste“ und „freie“ Wortstellung sind relative Begriffe
Englisch wird oft als Sprache mit fester Wortstellung bezeichnet, während Ungarisch oder Russisch Sprachen mit freier Wortstellung genannt werden.
Keines dieser Etiketten solltest Du wörtlich nehmen.
Englisch erlaubt viele Anordnungen:
Sarah gave Daniel the book.
Sarah gave the book to Daniel.
The book was given to Daniel by Sarah.
What did Sarah give Daniel?
Das sind keine zufälligen Permutationen. Jede folgt einer grammatischen Konstruktion.
Ebenso erlauben Ungarisch und Russisch nicht, Wörter beliebig anzuordnen, ohne Bedeutung, Betonung oder Natürlichkeit zu verändern.
Genauer ist diese Unterscheidung:
- Manche Sprachen nutzen Position stärker, um grammatische Rollen zu identifizieren;
- andere nutzen Position stärker, um Information und Betonung zu organisieren;
- alle Sprachen schränken Wortstellung systematisch ein.
Redundanz ist eine Stärke, kein Fehler
Sprachen signalisieren dieselbe Beziehung oft mehr als einmal.
In einem englischen Satz kann das Subjekt angezeigt werden durch:
- Position vor dem Verb;
- Pronomen in Subjektform;
- Kongruenz am Verb;
- die umgebende Konstruktion.
Im Spanischen kann das Subjekt erschließbar sein aus:
- einer gesprochenen Nominalphrase;
- einem Pronomen;
- der Endung des Verbs;
- dem vorangegangenen Gespräch.
Im Ungarischen kann ein Objekt signalisiert werden durch:
- das Suffix -t;
- eine bestimmte oder unbestimmte Verbform;
- Wortstellung;
- Verbbedeutung;
- Kontext.
Diese Überlappung macht Kommunikation robuster.
Hörende können einen Laut überhören, Hintergrundgeräusche erleben, einen ungewohnten Akzent verarbeiten oder einen Hinweis missverstehen. Mehrere teilweise überlappende Signale helfen ihnen, die gemeinte Bedeutung zu rekonstruieren.
Worauf solltest Du beim Lernen einer Sprache achten?
Wenn Du eine neue Sprache lernst, reicht die Frage „Was ist die grundlegende Wortstellung?“ nicht aus.
Besser ist es, eine Hierarchie von Hinweisen aufzubauen.
1. Achte auf die Wortstellung
- Wo steht das Verb?
- Was steht davor und danach?
- Ist das ein neutraler Satz oder eine markierte Konstruktion?
2. Suche nach Markern an oder um Nomen
- Trägt das Nomen eine Kasusendung?
- Gibt es eine Partikel?
- Gibt es eine Präposition oder Postposition?
- Erhält ein menschliches oder bestimmtes Objekt eine besondere Markierung?
3. Untersuche das Verb
- Zeigt es Person oder Numerus des Subjekts an?
- Kongruiert es mit dem Objekt?
- Zeigt es Aspekt, Aktiv/Passiv oder Bestimmtheit an?
- Ist ein Hilfsverb beteiligt?
4. Bestimme die Konstruktion
- Ist der Satz aktiv oder passiv?
- Ist er eine Frage?
- Wird etwas topicalisiert oder kontrastiert?
- Gibt es eine besondere Konstruktion mit vorangestelltem Objekt?
5. Trenne grammatische Rolle von Bedeutung
Frag beides:
- Wer ist das grammatische Subjekt?
- Wer ist Agens, Experiencer, Empfänger oder betroffener Beteiligter?
Das kann dieselbe Person sein, muss es aber nicht.
6. Nutze den Kontext
- Was wurde bereits erwähnt?
- Welcher Beteiligte führt das Ereignis wahrscheinlicher aus?
- Was betont die sprechende Person?
- Könnte ein scheinbar fehlendes Subjekt oder Objekt aus dem Gespräch verstanden werden?
Dieser Ansatz ist zuverlässiger, als englische Satzmuster direkt auf jede andere Sprache anwenden zu wollen.
Von Grammatikregeln zu einem System von Signalen
Traditioneller Grammatikunterricht präsentiert oft isolierte Regeln:
- Englisch nutzt die Reihenfolge Subjekt–Verb–Objekt.
- Ungarisch markiert das Objekt mit -t.
- Japanisch nutzt -ga und -o.
- Spanisch kann das Subjekt auslassen.
- Hindi nutzt -ne und -ko.
Jede Aussage enthält etwas Wahres, aber keine beschreibt eine ganze Sprache.
Die nützlichere Frage lautet:
Welche Signale stellt diese Sprache bereit, und wie wirken sie zusammen?
So wird aus Grammatik keine Liste von Ausnahmen mehr, sondern ein koordiniertes System.
Als lernende Person siehst Du Wortstellung, Endungen, Partikeln, Kongruenz und Kontext dann nicht mehr als unverbundene Themen. Sie werden zu verschiedenen Lösungen desselben zugrunde liegenden Problems.
Die Hauptidee
Sprachen müssen hörenden Personen helfen, die Beziehungen zwischen Beteiligten, Handlungen, Zuständen und Ereignissen zu erkennen.
Das können sie leisten durch:
- Wortstellung;
- Kasusmarkierung;
- Partikeln;
- Präpositionen und Postpositionen;
- Verbkongruenz;
- Aktiv/Passiv;
- Informationsstruktur;
- Bedeutung und Kontext.
Keine große Sprache verlässt sich nur auf eines davon.
Englisch legt ungewöhnlich viel Gewicht auf Position. Ungarisch und Russisch kodieren mehr Information in Nomenformen. Spanisch verteilt Information auf Wortstellung, Verbmorphologie und Objektmarkierung. Mandarin kombiniert Position mit Partikeln und spezialisierten Konstruktionen. Japanisch und Koreanisch nutzen Nomenmarker und Topikstruktur. Arabisch kombiniert Reihenfolge, Kongruenz und – in formellen Varietäten – Kasus. Hindi ergänzt aspektabhängige Kasusmarkierung und differentielle Objektmarkierung.
Die Systeme unterscheiden sich, aber die kommunikative Herausforderung ist dieselbe:
Wie kann eine hörende Person rekonstruieren, wer beteiligt ist, was passiert ist und wie die Beteiligten zueinander stehen?
Sobald Lernende anfangen, nach Signalsystemen statt nach isolierten Grammatikregeln zu suchen, lassen sich unbekannte Sprachen leichter analysieren – und ihre Unterschiede werden viel bedeutungsvoller.
Literatur und weiterführende Lektüre
Butt, Miriam. The Structure of Complex Predicates in Urdu. CSLI Publications, 1995.
Comrie, Bernard. Language Universals and Linguistic Typology. University of Chicago Press, 1989.
Dryer, Matthew S., and Martin Haspelmath, Herausgeber. The World Atlas of Language Structures Online. Max Planck Institute for Evolutionary Anthropology.
Haspelmath, Martin. Forschung zu vergleichenden Konzepten, Kasusmarkierung und sprachübergreifenden grammatischen Kategorien.
Li, Charles N., and Sandra A. Thompson. Mandarin Chinese: A Functional Reference Grammar. University of California Press, 1981.
Ryding, Karin C. A Reference Grammar of Modern Standard Arabic. Cambridge University Press, 2005.
Shibatani, Masayoshi. The Languages of Japan. Cambridge University Press, 1990.
Universal Dependencies. Universal Guidelines for Morphology and Syntax.
World Atlas of Language Structures Online. Kapitel zu Konstituentenreihenfolge, Kasusmarkierung, Alignment und grammatischen Relationen.