Die Verwandlung

Rozdział 5

Gregor hört von den Ersparnissen der Familie und beobachtet, wie seine Schwester auf seinen Anblick reagiert.

Rozdział 5 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Schon am ersten Tag erklärte der Vater der Mutter und der Schwester, wie es um das Geld der Familie stand und was sie in Zukunft erwarten konnten. Manchmal stand er vom Tisch auf und holte einen Beleg oder ein Notizbuch aus seiner kleinen Geldkassette. Diese Kassette hatte er gerettet, als sein Geschäft vor fünf Jahren zusammengebrochen war. Man hörte, wie er das komplizierte Schloss öffnete und wieder schloss. Was der Vater erzählte, war zum Teil das Erste, worüber sich Gregor seit seiner Gefangenschaft freuen konnte. Er hatte geglaubt, dass dem Vater von seinem Geschäft gar nichts geblieben war. Jedenfalls hatte der Vater nie etwas anderes gesagt, und Gregor hatte ihn auch nicht danach gefragt.

Damals hatte Gregor nur eine Sorge gehabt: Die Familie sollte das Unglück mit dem Geschäft so schnell wie möglich vergessen, denn es hatte alle ganz hoffnungslos gemacht. Deshalb hatte er mit großem Eifer zu arbeiten begonnen. Fast über Nacht war er von einem kleinen Angestellten zum Handelsreisenden geworden. Als Reisender konnte er viel mehr verdienen. Für jeden Auftrag bekam er Geld, und dieses Geld konnte er zu Hause der erstaunten und glücklichen Familie auf den Tisch legen. Das waren schöne Zeiten gewesen. Später verdiente Gregor sogar so viel, dass er die Kosten der ganzen Familie trug. Aber so schön wie am Anfang war es nie wieder. Die Familie und Gregor hatten sich eben daran gewöhnt. Man nahm das Geld dankbar an, und er gab es gern ab, aber eine besondere Wärme gab es nicht mehr.

Nur die Schwester war Gregor noch nahe geblieben. Anders als Gregor liebte sie die Musik sehr und spielte wunderschön Geige. Er hatte einen geheimen Plan: Nächstes Jahr wollte er sie auf das Konservatorium schicken, auch wenn das viel Geld kostete. Das Geld würde er schon irgendwie verdienen. Wenn Gregor kurz in der Stadt war, sprach er mit der Schwester oft über das Konservatorium, aber immer nur wie über einen schönen Traum. Die Eltern hörten nicht einmal das gern. Doch Gregor hatte einen festen Entschluss gefasst. Am Weihnachtsabend wollte er seinen Plan feierlich verkünden.

Solche Gedanken, die in seinem jetzigen Zustand ganz nutzlos waren, gingen ihm durch den Kopf, während er aufrecht an der Tür klebte und horchte. Manchmal war er so müde, dass er nicht mehr zuhören konnte und ihm der Kopf gegen die Tür schlug. Sofort hielt er ihn wieder fest, denn nebenan hatte man das kleine Geräusch gehört, und alle waren still geworden. „Was er nur wieder macht“, sagte der Vater nach einer Weile, offenbar zur Tür hin. Erst dann sprach man langsam weiter.

Der Vater wiederholte seine Erklärungen oft. Er hatte sich nämlich lange nicht mehr mit diesen Dingen beschäftigt, und die Mutter verstand nicht alles beim ersten Mal. So erfuhr Gregor genug: Trotz allen Unglücks war noch ein kleines Vermögen aus der alten Zeit da. Die Zinsen, die niemand angerührt hatte, hatten es inzwischen ein wenig größer gemacht. Außerdem hatte die Familie das Geld, das Gregor jeden Monat nach Hause gebracht hatte, nicht ganz ausgegeben. Er selbst hatte nur ein paar Gulden für sich behalten. So war ein kleines Kapital entstanden. Gregor nickte hinter seiner Tür eifrig und freute sich über diese Vorsicht und Sparsamkeit, mit der er nicht gerechnet hatte. Eigentlich hätte er mit diesem Geld die Schulden des Vaters beim Chef schneller bezahlen können, und dann wäre er seine Stelle früher losgeworden. Aber jetzt war es zweifellos besser so, wie es der Vater gemacht hatte.

Doch von diesem Geld konnte die Familie nicht leben. Es reichte vielleicht für ein Jahr, höchstens für zwei, mehr nicht. Eigentlich durfte man es gar nicht anrühren, man musste es für den Notfall aufheben. Das Geld zum Leben musste man verdienen. Der Vater war zwar gesund, aber schon alt. Er hatte seit fünf Jahren nicht gearbeitet und konnte sich nicht viel zutrauen. In diesen fünf Jahren, den ersten Ferien seines mühsamen und doch erfolglosen Lebens, war er sehr dick und schwerfällig geworden. Und sollte etwa die alte Mutter Geld verdienen? Sie hatte Asthma, und schon der Weg durch die Wohnung strengte sie an. Jeden zweiten Tag lag sie mit Atemnot auf dem Sofa am offenen Fenster. Und sollte die Schwester Geld verdienen? Mit ihren siebzehn Jahren war sie noch ein Kind. Bisher hatte sie sich hübsch angezogen, lange geschlafen, im Haushalt geholfen, sich ein wenig vergnügt und vor allem Geige gespielt. Gregor gönnte ihr dieses Leben von Herzen. Immer wenn das Gespräch auf das Geldverdienen kam, ließ Gregor die Tür los. Er warf sich auf das kühle Ledersofa neben der Tür, denn ihm war ganz heiß vor Scham und Trauer.

Oft lag er dort die ganze lange Nacht, schlief keinen Moment und kratzte nur stundenlang auf dem Leder. Oder er schob mit großer Mühe einen Stuhl zum Fenster. Dann kroch er auf die Fensterbank, stützte sich auf den Stuhl und lehnte sich ans Fenster. Er tat das wohl nur aus Erinnerung daran, wie frei er sich früher beim Blick aus dem Fenster gefühlt hatte. Denn in Wirklichkeit sah er von Tag zu Tag alles, was nur ein wenig weiter weg war, immer undeutlicher. Das Krankenhaus gegenüber, das er früher viel zu oft gesehen und deshalb verflucht hatte, sah er überhaupt nicht mehr. Er wusste genau, dass er in der stillen, aber ganz städtischen Charlottenstraße wohnte. Sonst hätte er glauben können, dass er in eine Wüste schaute, in der der graue Himmel und die graue Erde nicht mehr zu unterscheiden waren. Die aufmerksame Schwester musste nur zweimal sehen, dass der Stuhl am Fenster stand. Danach schob sie den Stuhl jedes Mal nach dem Aufräumen selbst wieder genau ans Fenster. Von nun an ließ sie sogar den inneren Fensterflügel offen.

Wenn Gregor nur mit der Schwester sprechen und ihr für alles danken könnte, was sie für ihn tun musste! Dann wäre es leichter für ihn. So aber litt er darunter. Die Schwester versuchte natürlich, alles Peinliche möglichst zu verbergen, und je länger es dauerte, desto besser gelang es ihr. Aber auch Gregor durchschaute mit der Zeit alles viel genauer. Schon wenn sie hereinkam, war es schrecklich für ihn. Sonst achtete sie sehr darauf, dass niemand in Gregors Zimmer sehen konnte. Doch kaum war sie im Zimmer, lief sie, ohne die Tür zu schließen, direkt zum Fenster. Mit hastigen Händen riss sie es auf, als würde sie fast ersticken. Auch wenn es noch so kalt war, blieb sie eine Weile am Fenster und atmete tief. Mit diesem Laufen und Lärmen erschreckte sie Gregor täglich zweimal. Die ganze Zeit zitterte er unter dem Sofa. Dabei wusste er sehr gut, dass sie ihm das gern erspart hätte. Aber sie konnte es einfach nicht aushalten, bei geschlossenem Fenster in einem Zimmer mit Gregor zu sein.

Einmal, etwa einen Monat nach Gregors Verwandlung, kam sie ein wenig früher als sonst. Eigentlich hatte die Schwester jetzt keinen Grund mehr, über Gregors Aussehen zu erschrecken. Doch an diesem Tag sah Gregor gerade bewegungslos aus dem Fenster und sah dabei wirklich erschreckend aus. Es hätte Gregor nicht überrascht, wenn sie nicht hereingekommen wäre. Er stand ja am Fenster, und so konnte sie es nicht sofort öffnen. Aber sie kam nicht nur nicht herein, sondern sie fuhr zurück und schloss die Tür. Ein Fremder hätte denken können, dass Gregor auf sie gewartet hatte und sie beißen wollte. Gregor versteckte sich natürlich sofort unter dem Sofa. Aber er musste bis zum Mittag warten, bis die Schwester wiederkam, und sie war viel unruhiger als sonst. Daran erkannte er, dass sie seinen Anblick immer noch nicht ertragen konnte und auch in Zukunft nicht ertragen würde. Sie musste sich wohl sehr anstrengen, um nicht vor dem kleinen Teil seines Körpers wegzulaufen, der unter dem Sofa hervorsah.

Um ihr auch diesen Anblick zu ersparen, trug er eines Tages ein Bettlaken auf seinem Rücken zum Sofa. Er brauchte für diese Arbeit vier Stunden. Er legte das Laken so über das Sofa, dass er ganz verdeckt war. Die Schwester konnte ihn nun nicht mehr sehen, auch wenn sie sich bückte. Wenn sie das Laken unnötig fand, konnte sie es ja wegnehmen. Denn es war klar, dass Gregor sich nicht zum Vergnügen so ganz versteckte. Aber sie ließ das Laken, wie es war. Einmal hob Gregor mit dem Kopf vorsichtig das Laken ein wenig hoch, um zu sehen, wie die Schwester die neue Einrichtung fand. Da glaubte er sogar, einen dankbaren Blick zu sehen.

In den ersten zwei Wochen wagten die Eltern nicht, zu ihm hereinzukommen. Er hörte oft, wie sie die Arbeit der Schwester lobten. Früher hatten sie sich oft über die Schwester geärgert, weil sie ihnen ein wenig nutzlos vorgekommen war. Nun aber warteten oft der Vater und die Mutter vor Gregors Zimmer, während die Schwester dort aufräumte. Kaum war sie herausgekommen, musste sie ganz genau erzählen: Wie sah es im Zimmer aus? Was hatte Gregor gegessen? Wie hatte er sich diesmal benommen? Ging es ihm vielleicht ein bisschen besser?

Die Mutter wollte übrigens ziemlich bald zu Gregor gehen. Aber der Vater und die Schwester hielten sie zuerst mit vernünftigen Gründen zurück. Gregor hörte sich diese Gründe sehr aufmerksam an und fand sie ganz richtig. Später aber musste man die Mutter mit Gewalt zurückhalten. Sie rief dann: „Lasst mich doch zu Gregor, er ist ja mein unglücklicher Sohn! Versteht ihr denn nicht, dass ich zu ihm muss?“ Dann dachte Gregor, dass es vielleicht doch gut wäre, wenn die Mutter hereinkäme. Natürlich nicht jeden Tag, aber vielleicht einmal in der Woche. Sie verstand doch alles viel besser als die Schwester. Die Schwester war trotz ihres Mutes nur ein Kind. Vielleicht hatte sie diese schwere Aufgabe am Ende nur aus kindlichem Leichtsinn übernommen.

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