Die Verwandlung

Rozdział 6

Grete holt die Mutter, um Möbel aus Gregors Zimmer zu räumen, doch Gregor fürchtet, damit seine Vergangenheit zu verlieren.

Rozdział 6 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Gregors Wunsch, die Mutter zu sehen, ging bald in Erfüllung. Am Tag wollte er sich aus Rücksicht auf seine Eltern nicht am Fenster zeigen. Auf den paar Quadratmetern Boden konnte er aber auch nicht viel kriechen. Das ruhige Liegen ertrug er schon in der Nacht schlecht, und das Essen machte ihm bald keine Freude mehr. Deshalb begann er, zur Ablenkung kreuz und quer über die Wände und die Decke zu kriechen. Besonders gern hing er oben an der Decke. Das war ganz anders als das Liegen auf dem Boden. Man atmete freier, und ein leichtes Schwingen ging durch den Körper. Dort oben war Gregor fast glücklich und ganz in Gedanken. Manchmal ließ er dabei zu seiner eigenen Überraschung los und klatschte auf den Boden. Aber jetzt beherrschte er seinen Körper natürlich viel besser als früher und verletzte sich auch bei einem so tiefen Fall nicht.

Die Schwester bemerkte sofort, dass Gregor eine neue Beschäftigung gefunden hatte, denn beim Kriechen hinterließ er hier und da Spuren von seinem Klebstoff. Da beschloss sie, Gregor so viel Platz zum Kriechen wie möglich zu geben. Die Möbel, die ihn dabei störten, vor allem der Schrank und der Schreibtisch, sollten aus dem Zimmer. Allein konnte sie das aber nicht. Den Vater wagte sie nicht um Hilfe zu bitten. Das Dienstmädchen hätte ihr bestimmt nicht geholfen. Dieses Mädchen von etwa sechzehn Jahren war zwar nach dem Weggang der Köchin tapfer geblieben. Aber es hatte darum gebeten, die Küche immer abgeschlossen halten zu dürfen und nur zu öffnen, wenn man sie rief. Also blieb der Schwester nichts anderes übrig: Einmal, als der Vater nicht da war, holte sie die Mutter.

Die Mutter kam mit Rufen voller Freude und Aufregung, wurde aber an der Tür zu Gregors Zimmer still. Zuerst sah die Schwester natürlich nach, ob im Zimmer alles in Ordnung war. Erst dann ließ sie die Mutter herein. Gregor hatte in größter Eile das Laken noch tiefer und mit mehr Falten heruntergezogen. Es sah wirklich nur wie ein Laken aus, das zufällig über das Sofa geworfen war. Diesmal sah Gregor nicht unter dem Laken hervor. Er verzichtete darauf, die Mutter schon jetzt zu sehen, und war nur froh, dass sie nun doch gekommen war. „Komm nur, man sieht ihn nicht“, sagte die Schwester und führte die Mutter offenbar an der Hand herein.

Gregor hörte nun, wie die zwei schwachen Frauen den schweren alten Schrank von seinem Platz rückten. Die Schwester wollte immer den größten Teil der Arbeit selbst machen. Die Mutter hatte Angst, dass Grete sich überanstrengte, und warnte sie. Aber die Schwester hörte nicht auf sie. Es dauerte sehr lange. Nach einer Viertelstunde Arbeit sagte die Mutter, man sollte den Schrank doch lieber hier lassen. Erstens war er zu schwer, und sie würden vor der Ankunft des Vaters nicht fertig werden. Dann würde der Schrank mitten im Zimmer stehen und Gregor jeden Weg versperren. Zweitens wussten sie gar nicht, ob sie Gregor mit dem Wegräumen der Möbel wirklich einen Gefallen taten. Sie glaubte eher das Gegenteil. Ihr selbst wurde beim Anblick der leeren Wand ganz schwer ums Herz. Und warum sollte es Gregor nicht genauso gehen? Er war doch an die Möbel gewöhnt und würde sich im leeren Zimmer verlassen fühlen.

„Und ist es dann nicht so“, sagte die Mutter zum Schluss ganz leise – sie flüsterte schon fast. Sie wusste ja nicht genau, wo Gregor war, und er sollte nicht einmal den Klang ihrer Stimme hören. Dass er die Worte nicht verstand, davon war sie überzeugt. „Und ist es nicht so, als würden wir mit dem Wegräumen der Möbel zeigen, dass wir jede Hoffnung auf Besserung aufgeben und ihn ganz allein lassen? Ich glaube, es ist das Beste, wenn wir das Zimmer genauso lassen, wie es früher war. Wenn Gregor dann wieder zu uns zurückkommt, findet er alles unverändert und kann die Zeit dazwischen umso leichter vergessen.“

Als Gregor diese Worte der Mutter hörte, wurde ihm etwas klar. Seit zwei Monaten sprach kein Mensch mehr direkt mit ihm, und sein Leben in der Familie war ganz eintönig. Das hatte wohl seinen Verstand verwirrt. Anders konnte er es sich nicht erklären, dass er sich ernsthaft ein leeres Zimmer gewünscht hatte. Wollte er wirklich, dass man sein warmes, gemütliches Zimmer mit den alten Möbeln der Familie in eine Höhle verwandelte? Dann konnte er zwar in alle Richtungen ungestört kriechen. Aber gleichzeitig würde er schnell und ganz seine Vergangenheit als Mensch vergessen. Er war ja jetzt schon nahe daran zu vergessen. Nur die Stimme der Mutter, die er lange nicht gehört hatte, hatte ihn aufgeweckt. Nichts sollte weggenommen werden, alles musste bleiben. Die Möbel taten ihm gut, er konnte nicht auf sie verzichten. Und wenn sie ihn beim sinnlosen Herumkriechen störten, dann war das kein Schaden, sondern ein großer Vorteil.

Aber die Schwester war leider anderer Meinung. Sie hatte sich angewöhnt, in allem, was Gregor betraf, vor den Eltern als Expertin aufzutreten, und ganz ohne Grund war das nicht. So war jetzt der Rat der Mutter für die Schwester Grund genug, auf noch mehr zu bestehen. Nicht nur der Schrank und der Schreibtisch, an die sie zuerst gedacht hatte, sollten hinaus, sondern alle Möbel außer dem Sofa, das Gregor brauchte. Natürlich war das nicht nur kindlicher Trotz und ihr neues Selbstvertrauen, das sie sich in der letzten Zeit so schwer erarbeitet hatte. Sie hatte ja wirklich beobachtet, dass Gregor viel Platz zum Kriechen brauchte und die Möbel überhaupt nicht benutzte. Vielleicht spielte auch die schwärmerische Art der Mädchen in ihrem Alter eine Rolle. Vielleicht wollte Grete Gregors Lage noch erschreckender machen, um dann noch mehr für ihn tun zu können. Denn in ein Zimmer, in dem Gregor ganz allein die leeren Wände beherrschte, würde sich außer Grete wohl kein Mensch hineinwagen.

So ließ sie sich von ihrem Entschluss nicht abbringen. Die Mutter war in diesem Zimmer vor Unruhe ganz unsicher. Bald schwieg sie und half der Schwester, so gut sie konnte, den Schrank hinauszuschaffen. Nun, auf den Schrank konnte Gregor zur Not verzichten, aber der Schreibtisch musste bleiben. Die Frauen drückten sich stöhnend gegen den Schrank und schafften ihn aus dem Zimmer. Kaum waren sie draußen, steckte Gregor den Kopf unter dem Sofa hervor. Er wollte sehen, wie er vorsichtig und mit möglichst viel Rücksicht eingreifen konnte. Aber zum Unglück kam gerade die Mutter zuerst zurück. Grete hielt im Nebenzimmer den Schrank umarmt und schaukelte ihn allein hin und her, ohne ihn natürlich von der Stelle zu bringen. Die Mutter aber war Gregors Anblick nicht gewöhnt, er konnte sie krank machen. Deshalb lief Gregor erschrocken rückwärts bis an das andere Ende des Sofas. Er konnte aber nicht mehr verhindern, dass sich das Laken vorne ein wenig bewegte. Das genügte, um die Mutter aufmerksam zu machen. Sie stockte, blieb einen Moment stehen und ging dann zu Grete zurück.

Gregor sagte sich immer wieder, dass ja nichts Besonderes passierte, man stellte nur ein paar Möbel um. Doch bald musste er zugeben, dass ihn dieses Hin und Her der Frauen, ihre kleinen Rufe und das Kratzen der Möbel auf dem Boden sehr aufregten. Es war für ihn wie ein großer Lärm von allen Seiten. Er zog Kopf und Beine fest an sich und drückte den Körper bis auf den Boden, aber er wusste, dass er das alles nicht lange aushalten würde. Sie räumten sein Zimmer aus und nahmen ihm alles, was er liebte. Den Schrank, in dem seine Säge und andere Werkzeuge lagen, hatten sie schon hinausgeschafft. Jetzt lockerten sie den Schreibtisch, der sich schon tief in den Boden gedrückt hatte. An diesem Schreibtisch hatte er in der Schule und später auf der Handelsschule seine Aufgaben geschrieben. Da hatte er wirklich keine Zeit mehr, die guten Absichten der beiden Frauen zu prüfen. Er hatte die beiden Frauen übrigens fast vergessen, denn vor Erschöpfung arbeiteten sie schon stumm, und man hörte nur noch ihre schweren Schritte.

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