Es war einmal ein Fischer. Er wohnte mit seiner Frau in einer schmutzigen alten Hütte nah am Meer. Jeden Tag ging der Fischer ans Meer und angelte.
Eines Tages zog er einen großen Butt aus dem Wasser. Da sagte der Butt: „Hör mal, Fischer, bitte töte mich nicht! Ich bin kein richtiger Fisch, ich bin ein verzauberter Prinz. Setz mich wieder ins Wasser.“ „Einen Fisch, der sprechen kann, setze ich gern zurück“, sagte der Fischer. Der Butt schwamm hinunter auf den Grund, und hinter ihm blieb ein langer Streifen Blut im Wasser.
„Hast du heute nichts gefangen?“, fragte die Frau zu Hause. „Nur einen Butt, einen verzauberten Prinzen“, sagte der Mann. „Ich habe ihn wieder ins Wasser gesetzt.“ „Hast du dir denn nichts gewünscht?“, fragte die Frau. „Diese Hütte stinkt und ist so hässlich. Geh zurück und sag dem Butt, wir möchten ein kleines Haus. Er macht das bestimmt.“ Der Mann wollte nicht, aber er ging trotzdem.
Das Meer war jetzt grün und gelb und nicht mehr so klar. Der Fischer stellte sich ans Wasser und rief:
„Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nicht so, wie ich wohl will.“
Da kam der Butt geschwommen und fragte: „Na, was will sie denn?“ „Ach“, sagte der Mann, „meine Frau möchte ein kleines Haus.“ „Geh nur nach Hause“, sagte der Butt, „sie hat es schon.“
Zu Hause stand ein hübsches kleines Haus mit einem Garten, und dahinter liefen Hühner. „Ist das nicht schön?“, fragte die Frau. „Ja“, sagte der Mann, „jetzt sind wir zufrieden.“ „Das wollen wir uns noch überlegen“, sagte die Frau.
Nach zwei Wochen sagte sie: „Mann, das Haus ist zu eng. Geh zum Butt, er soll uns ein großes Schloss aus Stein schenken.“ „Ach, Frau, das Haus ist doch gut genug“, sagte der Mann. Aber sie bat immer wieder. Dem Mann war das Herz schwer, und er dachte: „Das ist nicht richtig.“ Aber er ging trotzdem.
Das Meer war jetzt violett, dunkelblau und grau, aber noch ruhig. Der Mann rief wieder seinen Vers, und der Butt fragte: „Na, was will sie denn?“ „Sie will in einem großen Schloss wohnen“, sagte der Mann traurig. „Geh nur nach Hause, sie steht schon vor der Tür“, sagte der Butt.
Zu Hause stand ein großes Schloss mit vielen Dienern und Tischen voll mit Essen und Wein.
Am nächsten Morgen sah die Frau auf das schöne Land und sagte: „Mann, steh auf! Geh zum Butt, ich will Königin über dieses ganze Land sein.“ „Ach, Frau, warum willst du denn Königin sein?“, sagte der Mann. Aber sie schickte ihn wieder zum Meer.
Das Meer war jetzt schwarzgrau, das Wasser brodelte und stank. Der Mann rief seinen Vers. „Sie will Königin werden“, sagte er. „Geh nur nach Hause, sie ist es schon“, sagte der Butt.
Das Schloss hatte jetzt einen hohen Turm, und vor der Tür standen Soldaten mit Pauken und Trompeten. Die Frau saß auf einem hohen Thron aus Gold und trug eine große goldene Krone. „Ach, Frau, wie schön!“, sagte der Mann. „Jetzt wünschen wir uns nichts mehr.“ „Nein, Mann“, sagte die Frau unruhig. „Jetzt will ich Kaiserin werden. Geh zum Butt!“ „Ach, Frau“, sagte der Mann, „einen Kaiser gibt es nur einmal im Reich. Das kann der Butt nicht.“ „Ich bin Königin, und du bist nur mein Mann!“, rief sie. „Geh sofort!“
Da ging er, und er hatte große Angst. Das Meer war ganz schwarz und dick und warf Blasen, und ein kalter Wind fuhr darüber. Der Mann rief seinen Vers. „Sie will Kaiserin werden“, sagte er. „Geh nur nach Hause, sie ist es schon“, sagte der Butt.
Jetzt war das Schloss aus Marmor und Gold, und die Frau saß auf einem Thron, der zwei Meilen hoch war. „Frau, bist du jetzt Kaiserin?“ „Ja, ich bin Kaiserin. Aber jetzt will ich auch Päpstin werden. Geh zum Butt!“ „Ach, Frau, einen Papst gibt es nur einmal auf der Welt.“ „Wenn er eine Kaiserin machen kann, kann er auch eine Päpstin machen. Geh sofort!“
Da ging der Mann, aber er zitterte, und seine Knie wurden weich. Ein starker Wind ging über das Land, die Wolken flogen, und es wurde dunkel. Das Meer brauste wie kochendes Wasser, und weit draußen kämpften Schiffe mit den Wellen. Ängstlich rief er seinen Vers. „Sie will Päpstin werden“, sagte er. „Geh nur nach Hause, sie ist es schon.“
Jetzt stand dort eine große Kirche mit Tausenden Kerzen. Die Frau saß ganz in Gold auf einem noch höheren Thron und trug drei goldene Kronen. Alle Kaiser und Könige lagen vor ihr auf den Knien und küssten ihren Schuh. „Frau“, sagte der Mann, „jetzt sei zufrieden. Mehr kannst du nicht werden.“ „Das will ich mir überlegen“, sagte die Frau.
In der Nacht schlief der Mann gut, aber die Frau konnte nicht schlafen. Sie dachte die ganze Nacht nach, was sie noch werden konnte. Am Morgen sah sie, wie die Sonne aufging. „Ha!“, dachte sie. „Kann ich nicht auch bestimmen, wann die Sonne und der Mond aufgehen?“ Sie stieß ihren Mann in die Rippen. „Mann, wach auf! Geh zum Butt. Ich will werden wie der liebe Gott.“ Der Mann erschrak so sehr, dass er aus dem Bett fiel. „Ach, Frau, das kann der Butt nicht“, sagte er und fiel vor ihr auf die Knie. „Bitte bleib Päpstin!“ Da wurde sie furchtbar wütend. Sie trat ihn mit dem Fuß und schrie: „Ich halte das nicht aus! Geh sofort!“
Draußen tobte ein Sturm, und der Mann konnte kaum stehen. Häuser und Bäume fielen um, und Felsen rollten ins Meer. Der Himmel war pechschwarz, es donnerte und blitzte, und die Wellen waren so hoch wie Kirchtürme. Da schrie der Mann, aber er konnte sein eigenes Wort nicht hören:
„Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
meine Frau, die Ilsebill,
will nicht so, wie ich wohl will.“
„Na, was will sie denn?“, fragte der Butt. „Ach“, sagte der Mann, „sie will werden wie der liebe Gott.“ „Geh nur nach Hause“, sagte der Butt. „Sie sitzt schon wieder in ihrer alten Hütte.“
Und dort sitzen sie noch heute.