Heidi

Abschied, aber auf Wiedersehen

Die Großmama kündigt ihren Besuch an, die Mädchen bereiten eine Überraschung vor, und Peter fürchtet seine Strafe.

Rozdział 23 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Am Morgen brachte Peter einen Brief von der Großmama: Sie kam noch am selben Tag. Peter gab dem Großvater den Brief, sprang erschrocken zurück, sah sich ängstlich um und rannte den Berg hinauf.

„Was hat Peter nur?“, fragte Heidi.

„Vielleicht hat er Angst vor einer Strafe, die er verdient hat“, sagte der Großvater.

Hinter jedem Busch glaubte Peter schon einen Polizisten aus Frankfurt zu sehen. Der Großvater aber brachte einen großen Strauß dunkelblauer Enziane von der Weide mit und stellte ihn unter die Tannen. Dann warteten alle auf die Großmama.

Endlich kam die Großmama auf einem weißen Pferd den Berg herauf. „Was sehe ich, Klärchen?“, rief sie. „Du sitzt ja nicht in deinem Stuhl! Und was für rote, runde Wangen du hast!“ Da stützte sich Klara auf Heidis Schulter, und die beiden Mädchen machten ganz ruhig einen kleinen Spaziergang. Aufrecht und sicher ging Klara neben Heidi her.

Lachend und weinend umarmte die Großmama zuerst Klara, dann Heidi, dann wieder Klara. Dann nahm sie beide Hände des Großvaters. „Mein lieber Öhi, das ist Ihr Werk!“

„Und die Sonne und die Bergluft unseres Herrgotts“, sagte der Großvater lächelnd.

„Und Schwänlis gute Milch!“, rief Klara.

„Das muss sofort mein Sohn in Paris erfahren!“, rief die Großmama und schrieb ein Telegramm. Der Großvater pfiff laut durch die Finger, und kreideweiß kam Peter heruntergerannt, denn er glaubte, dass der Großvater ihn zur Strafe rief. Aber er sollte nur das Telegramm ins Dörfli zur Post bringen.

Doch Herr Sesemann war schon unterwegs, um alle zu überraschen. Auf dem Weg traf er einen Jungen, der mit einem Papier in der Hand herunterlief. „Sag mal, komme ich hier zu der Hütte, wo der alte Mann mit dem Kind Heidi wohnt und wo die Leute aus Frankfurt sind?“

Peter stieß einen Schreckensschrei aus. Der Polizist aus Frankfurt war also wirklich da! Er rannte so wild davon, dass er wie der Rollstuhl den Hang hinunterrollte, und das Telegramm flog in Fetzen davon.

Oben gingen die Mädchen Herrn Sesemann entgegen: ein großes Mädchen mit hellblonden Haaren und rosigen Wangen, das sich auf die kleinere Heidi stützte. Herr Sesemann blieb stehen, und plötzlich liefen ihm Tränen über das Gesicht, denn genau so hatte Klaras Mutter ausgesehen.

„Papa, kennst du mich denn nicht mehr?“, rief Klara.

Da schloss er seine Tochter in die Arme. „Bist du es wirklich, Klärchen?“

Die Großmama fand inzwischen unter den Tannen den wunderschönen Strauß Enziane. Da sah sie Peter, der heimlich hinter den Bäumen vorbeischleichen wollte. Vielleicht hatte er ihr die Blumen gebracht? „Komm her, mein Junge, keine Angst! Hast du das gemacht?“

Peter sah den Großvater an der Hütte stehen und neben ihm den fremden Herrn, den er für den Polizisten hielt. Zitternd sagte er: „Ja. Und er ist kaputt, und man kann ihn nicht mehr ganz machen.“

„Ist der arme Junge krank?“, fragte die Großmama den Großvater.

„Nein, gar nicht. Der Junge ist der Wind, der den Rollstuhl weggeblasen hat, und jetzt wartet er auf seine Strafe.“

„Nein, Öhi, wir wollen ihn nicht noch mehr bestrafen“, sagte die Großmama. „Wir Leute aus Frankfurt haben ihm wochenlang seine Heidi weggenommen. Da hat ihn der Zorn gepackt, und im Zorn werden wir alle dumm.“ Sie setzte sich auf die Bank und rief Peter zu sich. „Hör mir gut zu, Peter. In jedem Menschen schläft ein kleiner Wächter. Wenn jemand etwas Böses verstecken will, wacht er auf, sticht ihn mit einem kleinen Stachel und ruft immer: ‚Jetzt kommt alles heraus!‘ Hast du das nicht auch gespürt?“

Peter nickte zerknirscht.

„Und weil Klara keinen Stuhl mehr hatte, hat sie sich besonders angestrengt und gehen gelernt. So kann der liebe Gott aus etwas Bösem etwas Gutes machen. Und jetzt sollst du noch ein Andenken an die Leute aus Frankfurt bekommen. Was wünschst du dir?“

Da war Peter sehr erleichtert, und er gestand gleich: „Das Papier habe ich auch verloren.“

„Gut, dass du es sagst. Und was wünschst du dir?“

Peter dachte an die roten Pfeifen und die Messer auf dem Jahrmarkt in Maienfeld und konnte sich nicht entscheiden. „Zehn Rappen“, sagte er endlich.

Die Großmama lachte und gab ihm eine große Münze und noch zwei kleine. „So, hier hast du für jede Woche im Jahr zehn Rappen. Jeden Sonntag kannst du sie ausgeben.“

„Mein ganzes Leben lang?“, fragte Peter.

Da lachte die Großmama laut. „Ja, das schreibe ich in mein Testament. Hörst du, mein Sohn? Dem Geißenpeter jede Woche zehn Rappen, solange er lebt!“ Da rannte Peter in großen Sprüngen davon, aber diesmal vor Freude.

Nach dem Essen ging Herr Sesemann zum Großvater. „Mein lieber Freund, was hat mir all mein Geld geholfen, solange mein Kind krank war? Mit Gottes Hilfe haben Sie mein Kind gesund gemacht. Sagen Sie mir, womit ich Ihnen danken kann.“

„Ich brauche nichts“, sagte der Großvater. „Aber ich bin alt. Wenn ich sterbe, hat Heidi keine Verwandten mehr außer einer einzigen Person, die nur ihren eigenen Vorteil sucht. Versprechen Sie mir, dass Heidi nie unter fremden Menschen ihr Brot verdienen muss.“

„Das verspreche ich Ihnen“, sagte Herr Sesemann und gab dem Großvater die Hand. „Und mein Freund, der Doktor, will im Herbst in diese Gegend ziehen. Bei Ihnen und dem Kind hat er sich so wohl gefühlt wie nirgends sonst. So hat Heidi in Zukunft zwei Beschützer.“

„Und du, mein Kind, hast du auch einen Wunsch?“, fragte die Großmama.

„Ja! Ich möchte mein Bett aus Frankfurt mit den drei hohen Kissen und der dicken Decke für die Großmutter. Dann muss sie nicht mehr so flach liegen und frieren.“

„Ach, Heidi, gut, dass du mich daran erinnerst! In der Freude vergisst man so leicht die anderen“, sagte die Großmama. „Noch heute telegrafieren wir nach Frankfurt.“

Am Abend mussten die Großmama und Herr Sesemann zurück ins Tal, und am nächsten Tag wollten sie mit Klara durch die Schweiz reisen. Auf dem Weg nach unten gingen sie mit Heidi noch zur Großmutter, und Heidi stürmte als Erste in die Hütte. „Großmutter, mein Bett aus Frankfurt kommt, mit drei Kissen und der dicken Decke!“

„Ach, was für eine gute Frau“, sagte die Großmutter traurig. „Ich sollte mich freuen, dass sie dich mitnimmt, Heidi, aber ich werde es nicht lange überleben.“

„Wer sagt denn so etwas?“, rief die Großmama und nahm ihre Hand. „Heidi bleibt bei Ihnen. Wir kommen jedes Jahr auf die Alm, um hier Gott zu danken.“ Da liefen der Großmutter Freudentränen über die Wangen.

„Siehst du, Großmutter“, sagte Heidi, „jetzt ist alles so gekommen, wie es für uns am besten ist!“

Am nächsten Morgen weinte Klara beim Abschied. „Bald ist wieder Sommer, dann kommst du wieder und kannst von Anfang an gehen“, tröstete Heidi. Klara wollte Schwänli zum Dank hundert Pfund Salz aus Frankfurt schicken. Dann ritt sie auf dem weißen Pferd der Großmama ins Tal, und Heidi winkte, bis sie verschwunden war.

Das Bett kam an, und die Großmutter schlief jetzt jede Nacht gut. Der Doktor kaufte im Dörfli das alte Haus, in dem der Großvater und Heidi im Winter gewohnt hatten. Eine Hälfte ließ er für sich umbauen und die andere für die beiden. „Ich will für Heidi sorgen, als ob sie mein eigenes Kind wäre“, sagte der Doktor eines Tages zum Großvater. „Dann können wir sie einmal ohne Sorge zurücklassen, Sie und ich.“ Der Großvater drückte ihm lange die Hand und sagte kein Wort.

Unterdessen saßen Heidi und Peter bei der Großmutter und erzählten ihr alles, was im Sommer geschehen war. Zuletzt sagte die Großmutter: „Heidi, lies mir ein Lied zum Loben und Danken! Ich möchte Gott nur noch für alles danken, was er für uns getan hat.“

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