Grimms Märchen

Frau Holle

Ein fleißiges Mädchen sucht eine Spule im Brunnen und kommt in die Welt von Frau Holle.

Rozdział 13 Niemiecki A2 Podstawowy
Rzeczownik Nazwa własna Czasownik Czasownik posiłkowy Przymiotnik Przysłówek Zaimek Określnik Przyimek Liczebnik Spójnik współrzędny Spójnik podrzędny Partykuła Wykrzyknik Inne

Eine Witwe hatte zwei Töchter. Die eine war schön und fleißig, die andere hässlich und faul. Die Mutter liebte die Faule viel mehr, denn sie war ihre eigene Tochter. Die Fleißige war ihre Stieftochter und musste die ganze Arbeit im Haus machen. Jeden Tag musste sie an einem Brunnen an der Straße sitzen und so viel spinnen, dass ihre Finger bluteten.

Einmal war die Spule ganz blutig. Die Fleißige wollte sie im Brunnen waschen, aber die Spule fiel ihr aus der Hand ins Wasser. Weinend lief sie zur Stiefmutter. Aber die Stiefmutter schimpfte nur: „Die Spule ist dir in den Brunnen gefallen? Dann hol sie auch wieder heraus!“ Da ging die Fleißige zurück zum Brunnen. In ihrer Angst sprang sie hinein und verlor das Bewusstsein.

Als sie wieder aufwachte, lag sie auf einer schönen Wiese. Die Sonne schien, und überall standen Blumen. Sie ging über die Wiese und kam zu einem Backofen voller Brot. Das Brot rief: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenne ich! Ich bin schon lange fertig gebacken.“ Da holte sie alle Brote nacheinander heraus. Dann kam sie zu einem Baum voller Äpfel. Der Baum rief: „Ach, schüttel mich, schüttel mich! Wir Äpfel sind alle reif.“ Da schüttelte sie den Baum, bis kein Apfel mehr oben war. Dann legte sie die Äpfel auf einen Haufen und ging weiter.

Endlich kam sie zu einem kleinen Haus. Eine alte Frau mit sehr großen Zähnen schaute heraus, und die Fleißige bekam Angst. Aber die alte Frau rief: „Warum hast du Angst, liebes Kind? Bleib bei mir! Wenn du alle Arbeit im Haus ordentlich machst, geht es dir gut. Du musst nur mein Bett kräftig schütteln, sodass die Federn fliegen. Dann schneit es auf der Welt. Ich bin Frau Holle.“

Die Fleißige blieb. Sie machte alles so, wie Frau Holle es wollte. Sie schüttelte das Bett immer kräftig, und die Federn flogen wie Schneeflocken. Dafür hatte sie ein gutes Leben: kein böses Wort und jeden Tag gutes Essen.

Nach einiger Zeit wurde sie traurig, und endlich merkte sie: Sie hatte Heimweh. „Es geht mir hier sehr gut“, sagte sie zu Frau Holle, „aber ich muss wieder nach Hause.“ „Es gefällt mir, dass du nach Hause willst“, sagte Frau Holle. „Du hast so treu für mich gearbeitet, darum bringe ich dich selbst hinauf.“

Sie führte sie zu einem großen Tor. Das Tor ging auf, und als die Fleißige darunter stand, fiel ein Regen aus Gold. Das Gold blieb an ihr hängen, und bald war sie ganz voller Gold. „Das bekommst du, weil du so fleißig warst“, sagte Frau Holle und gab ihr auch die Spule zurück. Dann ging das Tor zu, und die Fleißige war wieder oben auf der Welt, nicht weit von zu Hause. Als sie in den Hof kam, saß der Hahn auf dem Brunnen und rief:

„Kikeriki,

unsere goldene Jungfrau ist wieder hie.“

Weil sie so voller Gold war, empfingen die Mutter und die Schwester sie freundlich. Sie erzählte alles, und die Mutter wollte dasselbe Glück auch für ihre faule Tochter. Also setzte sich die Faule an den Brunnen und spann. Sie stach sich absichtlich in den Finger, bis die Spule blutig war. Dann warf sie die Spule in den Brunnen und sprang hinterher.

Auch sie kam auf die schöne Wiese und ging denselben Weg. Am Backofen rief das Brot: „Ach, zieh mich raus, zieh mich raus, sonst verbrenne ich!“ Aber die Faule antwortete: „Ich mache mich doch nicht schmutzig!“, und ging weiter. Am Apfelbaum rief der Baum: „Ach, schüttel mich, schüttel mich!“ Aber sie antwortete: „Nein, sonst fällt mir noch ein Apfel auf den Kopf!“, und ging weiter.

Vor Frau Holle hatte sie keine Angst, denn sie wusste schon von den großen Zähnen. Am ersten Tag arbeitete sie fleißig, denn sie dachte an das viele Gold. Aber am zweiten Tag war sie schon faul, und am dritten Tag wollte sie morgens gar nicht aufstehen. Sie schüttelte das Bett nicht, und keine Federn flogen. Bald hatte Frau Holle genug und schickte sie nach Hause.

Die Faule freute sich, denn jetzt kam bestimmt der Goldregen. Aber als sie unter dem Tor stand, kam kein Gold herunter. Stattdessen floss schwarzes Pech aus einem großen Kessel über sie. „Das ist der Lohn für deine Arbeit“, sagte Frau Holle und schloss das Tor. Die Faule kam nach Hause, ganz schwarz von Pech, und der Hahn auf dem Brunnen rief:

„Kikeriki,

unsere schmutzige Jungfrau ist wieder hie.“

Das Pech aber blieb an ihr kleben, und es ging ihr ganzes Leben lang nicht mehr ab.

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