Heidi

Eine Großmama

Klaras freundliche Großmama besucht die Kinder und hilft Heidi beim Lesenlernen und mit ihrem Kummer.

Rozdział 10 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
Rzeczownik Nazwa własna Czasownik Czasownik posiłkowy Przymiotnik Przysłówek Zaimek Określnik Przyimek Liczebnik Spójnik współrzędny Spójnik podrzędny Partykuła Wykrzyknik Inne

Am nächsten Abend kam Frau Sesemann an, vor der alle im Haus großen Respekt hatten. Sie ging zuerst zu Klara, und dann wurde Heidi gerufen. Sie hatte die Anrede gut geübt. Aber sie dachte, dass zuerst der Titel kommt und dann der Name, denn so hatte sie es bisher immer gehört.

„Ah, da kommt ja das Kind!“, rief die Großmama freundlich. „Komm her, lass dich ansehen.“

„Guten Tag, Frau Gnädige“, sagte Heidi sehr deutlich.

Die Großmama lachte. „Sagt man das bei euch auf der Alm? Für die Kinder bin ich die Großmama, so sollst du mich nennen.“

„Das kann ich gut“, sagte Heidi. „Zu Hause habe ich auch immer Großmutter gesagt.“

Heidi gefiel die Großmama sehr. Sie hatte schöne weiße Haare und sah Heidi so freundlich an, dass dem Kind ganz warm ums Herz wurde.

„Und wie heißt du denn?“, fragte die Großmama. „Ich heiße Heidi, aber hier soll ich Adelheid heißen“, antwortete das Kind. „Ich musste dem Kind einen Namen geben, den man aussprechen kann“, sagte Fräulein Rottenmeier, die gerade hereinkam.

„Liebe Rottenmeier“, sagte Frau Sesemann, „wenn ein Mensch Heidi heißt, dann nenne ich ihn Heidi, und dabei bleibt es!“

Am nächsten Tag zeigte die Großmama Heidi große Bücher mit bunten Bildern. Plötzlich fing Heidi laut an zu weinen. Auf dem Bild stand ein Hirte auf einer grünen Weide mit vielen Tieren, und hinten ging gerade die Sonne unter.

Die Großmama nahm ihre Hand. „Nicht weinen, Kind. Zu dem Bild gibt es eine schöne Geschichte, die erzähle ich dir. Aber sag mal, lernst du gut beim Lehrer? Kannst du schon lesen?“

„Nein“, seufzte Heidi. „Lesen kann man nicht lernen, es ist zu schwer. Das hat Peter gesagt, und er probiert es immer wieder.“

„Du musst nicht alles glauben, was der Peter sagt“, sagte die Großmama. „Glaub jetzt mir: Du kannst in kurzer Zeit lesen lernen. Und dann bekommst du dieses Buch und kannst die Geschichte von dem Hirten selbst lesen.“

„Oh, wenn ich nur schon lesen könnte!“, sagte Heidi mit leuchtenden Augen.

Seit Fräulein Rottenmeier sie an der Haustür aufgehalten hatte, war Heidi anders geworden. Sie wusste jetzt: Sie konnte nicht jederzeit heimgehen. Sonst würden alle sie undankbar finden. Darum sagte sie es niemandem, aber die Last in ihrem Herzen wurde immer schwerer. Sie aß kaum noch und wurde jeden Tag blasser. Nachts träumte sie von den roten Felsen am Falknis. Wenn sie am Morgen in ihrem großen Bett in Frankfurt aufwachte, weinte sie ganz leise in ihr Kissen.

Die Großmama merkte das. Eines Tages fragte sie: „Was fehlt dir, Heidi? Hast du Kummer?“

„Das kann man nicht sagen“, antwortete Heidi traurig.

„Manchmal hat man einen Kummer, den man keinem Menschen sagen kann“, sagte die Großmama. „Dann sagt man ihn dem lieben Gott und bittet ihn um Hilfe. Betest du denn nicht jeden Abend?“

„Nein. Nur früher, als ich noch klein war. Jetzt habe ich es vergessen.“

„Siehst du, darum bist du so traurig. Du kannst jederzeit zum lieben Gott gehen und ihm alles sagen.“

„Wirklich alles?“

„Alles, Heidi.“

Da lief Heidi in ihr Zimmer, faltete die Hände und sagte dem lieben Gott alles, was sie so traurig machte. Und sie bat ihn sehr, sie wieder heim zum Großvater zu lassen.

Etwas mehr als eine Woche später kam der Hauslehrer aufgeregt zu Frau Sesemann. Er begann einen langen, komplizierten Satz, aber sie unterbrach ihn. „Hat Heidi etwa lesen gelernt?“

Der Hauslehrer staunte, denn genau das war geschehen: Fast über Nacht hatte das Kind lesen gelernt.

Am Abend lag das große Buch mit den schönen Bildern auf Heidis Teller. „Jetzt gehört es dir“, sagte die Großmama.

„Für immer? Auch wenn ich heimgehe?“, fragte Heidi und wurde ganz rot vor Freude.

„Für immer“, sagte die Großmama. Aber Klara rief: „Du gehst doch noch viele Jahre nicht heim, Heidi!“

Am liebsten las Heidi die Geschichte von dem Hirten. Zuerst hütete er fröhlich die Tiere seines Vaters. Dann lief er von zu Hause weg und musste in der Fremde Schweine hüten, bis er ganz mager war. Auf dem letzten Bild lief ihm der alte Vater mit offenen Armen entgegen, als der Sohn arm und reuig nach Hause kam. So vergingen die Tage schnell, bis die Großmama wieder abreisen wollte.

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