Heidi

Die fernen Freunde melden sich

Ein Brief kündigt Klaras Reise an, und Heidi freut sich auf den Besuch ihrer fernen Freunde.

Rozdział 20 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Es war Mai, und Heidi war wieder oben auf der Alm. Die ersten Blumen blühten, und der Frühlingswind rauschte in den Tannen. Vor dem Schuppen stand ein neuer Stuhl, und an einem zweiten arbeitete der Großvater noch.

„Oh, ich weiß, wofür die sind!“, rief Heidi. „Einer ist für die Großmama und einer für Klara!“

Da kam Peter und gab Heidi einen Brief, den er in seinem Brotsack vergessen hatte. Heidi las ihn laut vor:

„Liebe Heidi! In zwei oder drei Tagen reisen wir ab. Jeden Tag ruft der Herr Doktor schon an der Tür: ‚Fort! Fort! Auf die Alm!‘ Er ist wieder ganz jung und fröhlich geworden. Zuerst muss ich sechs Wochen in Ragaz eine Kur machen, dann soll ich an schönen Tagen zu Dir hinaufgebracht werden. Die Großmama kommt mit. Aber Fräulein Rottenmeier will nicht, weil Sebastian ihr die Berge so steil und gefährlich beschrieben hat. Deine treue Freundin Klara.“

Als Peter das hörte, schlug er wütend mit seinem Stock nach rechts und links, denn die Gäste aus Frankfurt gefielen ihm gar nicht.

Am nächsten Tag erzählte Heidi der Großmutter alles. Aber die Großmutter hatte Angst, dass die Leute aus Frankfurt Heidi wieder mitnehmen wollten. Sie sagte es nicht, sondern bat: „Lies mir das Lied vor, das so anfängt!“ Und Heidi las:

„Gott will’s machen,

dass die Sachen

gehen, wie es heilsam ist.“

„Heilsam heißt, wenn alles heilt und wieder gut wird, nicht wahr?“, fragte Heidi.

„Ja, so ist es. Und weil der liebe Gott es so machen will, kann man ganz ruhig sein, wie es auch kommt.“ Da war die Großmutter wieder ruhig.

Der Mai und der Juni waren so sonnig wie seit vielen Jahren nicht. Ende Juni schrie Heidi eines Morgens plötzlich laut: „Großvater! Komm! Sieh nur!“

Den Berg herauf kam ein seltsamer Zug. Zwei Männer trugen einen Tragstuhl, in dem ein Mädchen in vielen Tüchern saß. Dann kamen eine Dame auf einem Pferd und ein junger Mann mit einem leeren Rollstuhl. Zuletzt kam ein Träger mit einem riesigen Berg von Decken auf dem Rücken.

„Sie sind es!“, rief Heidi und sprang vor Freude in die Luft. Die beiden Mädchen begrüßten sich glücklich. Die Großmama umarmte Heidi und gab dem Großvater herzlich die Hand, als ob sie sich schon lange kannten. „Mein lieber Öhi, was für ein herrlicher Platz! Ein König könnte Sie darum beneiden! Und wie gesund meine Heidi aussieht!“

„Oh, wie schön ist es hier!“, rief Klara immer wieder. „Großmama, hier möchte ich bleiben!“

Der Großvater hob Klara mit seinen starken Armen vorsichtig aus dem harten Tragstuhl und setzte sie in ihren Rollstuhl. Er legte ihr die Decke über die Knie und die Füße bequem auf das Kissen, als hätte er sein Leben lang Kranke gepflegt.

„Wo haben Sie das gelernt, Öhi?“, fragte die Großmama erstaunt.

„Mehr aus Sorge als durch Studieren“, sagte er, und sein Gesicht wurde traurig. Er dachte an seinen Hauptmann, den er vor langer Zeit in Sizilien schwer verwundet gefunden und bis zu seinem Tod gepflegt hatte.

Heidi schob Klara unter die Tannen und brachte ihr einen großen Strauß Blumen. „Das ist noch gar nichts!“, sagte sie. „Oben auf der Weide gibt es so viele gelbe Blumen, dass der Boden wie Gold glänzt!“

„Oh, Großmama, kann ich wohl dahin kommen?“, fragte Klara voll Sehnsucht. „Wenn ich nur gehen könnte, Heidi!“

„Ich schiebe dich!“, rief Heidi und rannte zur Probe so schnell mit dem Stuhl um die Ecke, dass er fast den Berg hinunterflog. Der Großvater hielt ihn gerade noch fest.

Beim Essen draußen am Tisch staunte die Großmama: „Klärchen, isst du wirklich schon das zweite Stück Käse?“

„Das macht unser Bergwind“, sagte der Großvater zufrieden.

Am Nachmittag trug der Großvater Klara die Leiter hinauf, und alle sahen sich Heidis Bett im Heu an. „Wie lustig du es hast, Heidi!“, rief Klara. „Vom Bett aus siehst du direkt in den Himmel, und du hörst die Tannen rauschen!“

Da sagte der Großvater zur Großmama: „Wenn Sie einverstanden sind, könnten wir das Mädchen eine Zeit lang hier oben behalten. Vielleicht bekommt sie hier neue Kräfte. Aus den vielen Decken machen wir ihr ein weiches Bett, und um die Pflege kümmere ich mich.“

Klara und Heidi jubelten, und das Gesicht der Großmama strahlte. „Mein lieber Öhi, genau das habe ich mir eben gedacht!“

Sofort machten sie oben aus allen Decken ein dickes, weiches Bett. Vier Wochen sollte Klara bleiben, dann würde man sehen, ob ihr die Bergluft half. Die Großmama ritt nach Ragaz zurück und wollte von Zeit zu Zeit zu Besuch kommen.

Am Abend stellte Heidi Klara alle Ziegen vor, vom kleinen Schneehöppli bis zum großen Türk. Peter aber stand abseits, sah Klara böse an und schlug wütend mit seinem Stock in die Luft.

In der Nacht lag Klara neben Heidi auf dem Heuboden und sah durch das runde Loch direkt in die funkelnden Sterne. „Heidi, es ist, als ob wir in einem hohen Wagen in den Himmel fahren!“

„Weißt du, warum die Sterne so fröhlich winken?“, fragte Heidi. „Weil sie sehen, wie gut der liebe Gott alles für die Menschen macht. Darum müssen wir keine Angst haben. Aber wir dürfen das Beten nicht vergessen.“

Die beiden Mädchen beteten, und Heidi schlief sofort ein. Klara aber sah noch lange in die Sterne, denn zu Hause wurden die Vorhänge immer früh zugezogen.

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