Heidi

Auf der Weide

Heidi geht mit Peter und den Ziegen auf die Weide und entdeckt die Blumen, Felsen und Tiere der Berge.

Rozdział 3 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Am frühen Morgen weckte Heidi ein lauter Pfiff. Durch das runde Loch fiel goldenes Licht auf ihr Bett, und zuerst wusste sie nicht, wo sie war. Dann hörte sie draußen die tiefe Stimme des Großvaters, und schnell lief sie hinaus, wo Peter schon mit seinen Ziegen wartete.

„Willst du mit auf die Weide?“, fragte der Großvater. Heidi sprang vor Freude in die Luft. „Aber zuerst wäschst du dich. Sonst lacht dich die Sonne aus, wenn sie sieht, dass du schmutzig bist.“

Während Heidi sich in einer Wanne vor der Tür wusch, steckte der Großvater Brot, Käse und eine Schüssel in Peters Sack. Peter machte große Augen, denn die Stücke waren doppelt so groß wie sein eigenes Mittagessen. „Du melkst ihr mittags zwei Schüsseln Milch“, sagte der Großvater. „Und pass auf, dass sie nicht über die Felsen hinunterfällt, hörst du?“

Dann ging es fröhlich die Alm hinauf. Überall auf den grünen Wiesen leuchteten rote, blaue und gelbe Blumen. Heidi lief hierhin und dorthin und sammelte ganze Hände voll in ihrer Schürze, denn sie wollte sie zu Hause ins Heu stecken. „Komm jetzt!“, rief Peter endlich. „Ganz oben sitzt der alte Raubvogel und krächzt.“ Das half.

Peters Weideplatz lag am Fuß der hohen, kahlen Felsen. Weit unten lag das Tal im Morgenlicht, und vor Heidi stieg ein großes Schneefeld in den dunkelblauen Himmel. Daneben stand ein gewaltiger Felsenberg mit zwei hohen, spitzen Türmen. Peter schlief in der Sonne ein, und Heidi saß in der großen Stille und war so glücklich wie noch nie in ihrem Leben. Bald kam es ihr vor, als sähen die Berge wie gute Freunde zu ihr herunter.

Plötzlich hörte sie über sich ein lautes Krächzen. Ein riesiger Vogel kreiste mit ausgebreiteten Flügeln über ihr und verschwand dann hinter den grauen Felsen.

„Peter, wach auf! Der Raubvogel! Komm, wir klettern hinauf und sehen, wo er wohnt!“

„Oh, oh, oh!“, rief Peter. „Da kommt ja nicht einmal eine Ziege hinauf!“

Mittags melkte Peter Schwänli und legte Heidi ihr großes Stück Brot und den Käse hin. Heidi trank ihre Milch, brach ein Stück von ihrem Brot ab und hielt Peter den ganzen Rest mit dem großen Stück Käse hin. „Das kannst du haben, ich habe genug.“ Peter sah sie sprachlos an, denn so etwas hatte er noch nie erlebt. Dann nickte er dankbar und aß das beste Mittagessen seines Lebens.

Bald kannte Heidi alle Ziegen beim Namen. Da war der große Türk, der alle anderen mit seinen Hörnern stieß, und der freche Distelfink, der als Einziger zurückstieß. Und da war das kleine weiße Schneehöppli, das immer so traurig meckerte. „Es meckert so, weil seine Mutter nach Maienfeld verkauft worden ist“, sagte Peter. Heidi legte dem Schneehöppli den Arm um den Hals. „Du armes Schneehöppli! Ich komme jetzt jeden Tag mit, dann bist du nicht mehr allein.“

Am Nachmittag sprang der Distelfink plötzlich auf den Rand der steilen Felsen zu. Peter stürzte hinterher und bekam im Fallen gerade noch ein Bein der Ziege zu fassen. Heidi lockte den Distelfink mit duftenden Kräutern zurück, und Peter hob seinen Stock, um ihn zu schlagen. „Nein, Peter!“, rief Heidi und hielt ihm den Arm fest. „Sieh doch, wie er sich fürchtet!“ Ihre schwarzen Augen blitzten so, dass er den Stock sinken ließ.

„Dann darf er gehen, wenn du mir morgen wieder deinen Käse gibst.“

„Du kannst ihn haben, jeden Tag, und Brot auch. Aber dann darfst du nie mehr eine Ziege schlagen!“

„Meinetwegen“, sagte Peter, und bei ihm hieß das ja.

Am Abend fingen die Felsen und der Schnee plötzlich an zu leuchten. „Peter, es brennt!“, rief Heidi. „Alle Berge brennen, der Schnee und der Himmel auch!“

„Das ist immer so“, sagte Peter ruhig. „Aber es ist kein Feuer.“

„Sieh, jetzt werden sie rosenrot! Wie heißen die Berge, Peter?“

„Berge haben keine Namen.“

Dann wurde alles grau, und Heidi setzte sich traurig auf den Boden. „Morgen ist es wieder so“, sagte Peter.

Zu Hause schüttete Heidi ihre Blumen vor dem Großvater aus, aber sie waren welk wie Heu. „Die wollen draußen in der Sonne stehen und nicht in einer Schürze“, sagte der Großvater. Da wollte Heidi keine mehr pflücken.

Beim Abendessen fragte sie: „Warum krächzt der Raubvogel so, Großvater?“

„Er lacht die Leute in den Dörfern aus, weil sie so eng zusammensitzen und sich gegenseitig ärgern. Er ruft: ‚Geht doch auseinander und steigt auf einen Berg wie ich, dann geht es euch besser!‘“ Dabei klang der Großvater beinahe wütend.

Dann beschrieb Heidi die Berge, und der Großvater sagte ihr die Namen. Der Felsenberg mit den zwei Türmen hieß Falknis, der Berg mit dem Schneefeld Schesaplana. Zuletzt fragte sie nach dem Feuer.

„Das macht die Sonne“, sagte der Großvater. „Wenn sie den Bergen gute Nacht sagt, schickt sie ihnen noch ihre schönsten Strahlen. So vergessen die Berge sie nicht, bis sie am Morgen wiederkommt.“

In der Nacht träumte Heidi von leuchtenden Bergen und vom Schneehöppli, das fröhlich darauf herumsprang.

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