Heidi

Bei der Großmutter

Im Winter besucht Heidi Peters blinde Großmutter und erfährt von ihren Sorgen und ihrem alten Liederbuch.

Rozdział 4 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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So ging es nun Tag für Tag. Heidi zog mit Peter auf die Weide und wurde braun und so gesund und froh wie die Vögel im Wald. Wenn im Herbst der Wind zu stark blies, blieb sie beim Großvater. Dann hörte sie unter den drei alten Tannen zu, wie der Wind in ihren Spitzen rauschte. Nichts auf der Welt fand sie so schön wie dieses Rauschen.

Dann fiel eines Nachts tiefer Schnee, bis an die Fenster der Hütte, und Peter kam nicht mehr mit den Ziegen. Aber nach acht Tagen kämpfte er sich durch den Schnee herauf, weil er Heidi sehen wollte. Er stellte sich ans Feuer und lachte über das ganze Gesicht, während der Schnee an ihm schmolz.

Im Winter musste er in die Schule gehen, und Heidi wollte alles darüber wissen. An der Tür drehte er sich noch einmal um. „Du sollst auch einmal zur Großmutter kommen, hat sie gesagt.“

Von da an sagte Heidi jeden Tag fünf- oder sechsmal: „Großvater, ich muss jetzt zur Großmutter, sie wartet auf mich.“

„Es liegt zu viel Schnee“, antwortete der Großvater.

Am vierten Tag war der Schnee hart gefroren, und die Sonne schien. Da holte der Großvater den dicken Sack von Heidis Bett und sagte: „So komm!“ Er setzte sich auf einen breiten Schlitten, nahm Heidi auf den Schoß und wickelte sie in den Sack. Dann schoss der Schlitten so schnell die Alm hinunter, dass Heidi glaubte, sie würde wie ein Vogel fliegen. Bei Peters Hütte setzte er sie ab. „Geh hinein. Wenn es dunkel wird, kommst du wieder heraus.“

Die Hütte war klein, alt und eng. Im Zimmer flickte eine Frau Peters Jacke, und in der Ecke saß eine alte, gebeugte Frau am Spinnrad. Heidi ging direkt zu ihr. „Guten Tag, Großmutter, jetzt komme ich zu dir.“

Die Großmutter suchte die Hand des Kindes und hielt sie lange fest. „Bist du Heidi, das Kind vom Alm-Öhi? Ist der Öhi wirklich selbst mit dir heruntergekommen?“

„Ja“, sagte Heidi bestimmt. „Der Großvater hat mich in die Decke gewickelt und ist mit mir heruntergefahren.“

„Dann ist doch etwas Wahres an dem, was Peter den ganzen Sommer vom Öhi erzählt hat“, sagte die Großmutter. „Ich habe gedacht, das Kind lebt da oben keine drei Wochen.“

„Großmutter, sieh nur, dort schlägt ein Fensterladen immer hin und her!“, sagte Heidi.

„Ach, Kind, ich höre es nur“, sagte die Großmutter. „Hier klappert es überall, wenn der Wind kommt, und nachts habe ich oft Angst, dass alles über uns zusammenfällt. Sehen kann ich gar nichts.“

„Und wenn du hinaus in den weißen Schnee gehst? Oder im Sommer, wenn die Sonne den Bergen gute Nacht sagt und alles rot leuchtet?“

„Ach, Kind, die leuchtenden Berge sehe ich nie mehr. Es wird mir nie mehr hell auf der Welt.“

Da fing Heidi laut an zu weinen. „Kann es dir denn niemand wieder hell machen? Gar niemand?“

Endlich konnte die Großmutter sie trösten. „Komm, setz dich zu mir und erzähl mir etwas. Wenn man nichts sehen kann, hört man so gern ein freundliches Wort. Erzähl mir vom Großvater, ich habe ihn früher gut gekannt.“

Heidi wischte sich die Tränen ab. „Warte nur, Großmutter, ich sage alles dem Großvater. Er kann alles wieder in Ordnung bringen.“ Dann erzählte sie von allem, was der Großvater aus Holz machen konnte. Die Großmutter hörte gespannt zu und sagte immer wieder: „Hörst du, Brigitte, was sie vom Öhi erzählt?“

Dann kam Peter aus der Schule. „Wie geht es mit dem Lesen, Peter?“, fragte die Großmutter.

„Wie immer“, sagte Peter.

Die Großmutter seufzte. „Ich habe ein altes Buch mit schönen Liedern. Ich habe so gehofft, dass Peter es mir einmal vorlesen kann. Aber es ist ihm zu schwer.“

Als es dunkel wurde, lief Heidi schnell hinaus, und schon kam der Großvater den Berg herunter. „Recht so, Heidi, du hast Wort gehalten!“, sagte er, wickelte sie in die Decke und trug sie hinauf.

„Wenn sie nur wiederkommt!“, sagte die Großmutter an diesem Abend immer wieder. „Jetzt habe ich doch noch etwas auf der Welt, worauf ich mich freuen kann.“

Oben sagte Heidi sofort: „Großvater, morgen müssen wir den Hammer und große Nägel mitnehmen. Bei der Großmutter klappert alles, und sie hat nachts Angst. Du kannst ihr helfen, ja?“

Der Großvater sah eine Weile auf das Kind hinunter. „Ja, Heidi, das können wir. Morgen tun wir es.“

Am nächsten Nachmittag hämmerte es so laut an der Hütte, dass die Großmutter erschrak. „Jetzt fällt alles zusammen!“

„Nein, Großmutter, das ist der Großvater mit dem Hammer“, sagte Heidi. „Er macht alles fest.“

„So hat uns der liebe Gott doch nicht vergessen!“, rief die Großmutter. „Brigitte, geh hinaus und sag ihm, er soll hereinkommen, damit ich ihm danken kann.“

Draußen begann Brigitte, dem Großvater zu danken, aber er unterbrach sie. „Schon gut. Ich weiß, was die Leute im Dorf vom Alm-Öhi denken. Gehen Sie nur wieder hinein. Was kaputt ist, finde ich selbst.“

So ging der Winter vorbei. Fast jeden schönen Tag fuhr Heidi zur Großmutter, und die blinde Frau rief jedes Mal: „Gott sei Dank, da kommt sie wieder!“ Der Großvater kam oft mit und reparierte die Hütte, bis nichts mehr klapperte. „So gut habe ich seit vielen Wintern nicht geschlafen“, sagte die Großmutter.

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