Heidi

Fräulein Rottenmeier hat einen unruhigen Tag

Heidi sucht in Frankfurt einen Ort mit weitem Ausblick und macht sich allein auf den Weg zu einem Kirchturm.

Rozdział 7 Niemiecki B1 Średnio zaawansowany
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Am ersten Morgen in Frankfurt lief Heidi sofort zum Fenster, denn sie wollte den Himmel und die Erde sehen. Aber draußen sah sie nur Mauern und Fenster, und keines der hohen Fenster ging auf. Sie fühlte sich wie ein Vogel in einem Käfig.

Beim Frühstück fragte Heidi Klara: „Wie kann man hier hinaussehen, ganz hinunter auf den Boden?“

„Man macht ein Fenster auf“, sagte Klara. „Sebastian zeigt dir, wie es geht.“

Inzwischen klagte Fräulein Rottenmeier dem Hauslehrer, dass dieses Kind nicht einmal das Abc kannte. Er sollte sagen, dass man die beiden Mädchen nicht zusammen unterrichten konnte, damit Herr Sesemann das Kind nach Hause schickte. Aber der Lehrer wollte lieber mit dem Abc beginnen.

Gerade wollte er ins Studierzimmer gehen, da krachte es dort furchtbar. Als er mit Fräulein Rottenmeier hineinlief, lagen Bücher, Hefte und die Tischdecke am Boden, und darunter floss ein schwarzer Bach aus Tinte durch das ganze Zimmer. Heidi war verschwunden.

„Sie hat es nicht absichtlich gemacht“, sagte Klara, die das alles sehr lustig fand. „Draußen sind Kutschen vorbeigefahren, da ist sie so schnell hinausgelaufen, dass sie die Tischdecke mitgerissen hat.“

Fräulein Rottenmeier fand Heidi unten an der offenen Haustür, wo sie enttäuscht die Straße hinauf und hinunter sah. „Wie kannst du einfach hinauslaufen?“

„Ich habe die Tannen rauschen gehört“, sagte Heidi. „Aber jetzt höre ich sie nicht mehr.“ Der Lärm der Kutschen hatte für sie wie der Wind in den Tannen geklungen.

„Tannen! Sind wir hier im Wald? Komm herauf und sieh dir an, was du getan hast! Beim Unterricht sitzt man still auf seinem Stuhl. Sonst muss ich dich festbinden.“

„Ja, ich will schon still sitzen“, sagte Heidi.

Am Nachmittag musste Klara ruhen, und Heidi wartete im Flur auf Sebastian. „Sebastian, wie kann man ein Fenster aufmachen?“

„So, kleines Fräulein“, sagte er und öffnete ein großes Fenster.

„Ich heiße nicht kleines Fräulein, ich heiße Heidi.“

„Aber Fräulein Rottenmeier will, dass ich dich so nenne.“

„Dann muss ich wohl so heißen“, seufzte Heidi. „Jetzt habe ich schon drei Namen.“

Auf einem Hocker konnte Heidi hinausschauen, aber sie sah nur die steinerne Straße. „Wohin muss man gehen, damit man weit über das ganze Tal sehen kann?“

„Da muss man auf einen hohen Kirchturm steigen, so wie den dort mit der goldenen Kugel.“

Sofort lief Heidi auf die Straße hinaus. Sie glaubte, dass der Turm ganz nahe stand, aber sie ging durch eine Straße nach der anderen und fand ihn nicht. An einer Ecke stand ein Junge mit einer kleinen Drehorgel auf dem Rücken und einem seltsamen Tier auf dem Arm. „Weißt du, wo eine Kirche mit einem hohen Turm ist?“, fragte Heidi.

„Ja. Was gibst du mir, wenn ich sie dir zeige?“

Heidi bot ihm ein Bild mit roten Rosen an, das Klara ihr geschenkt hatte, aber er wollte Geld. „Ich habe keins, aber Klara gibt mir sicher etwas. Wie viel willst du?“

„Zwanzig Pfennig.“

Bald standen sie vor einer alten Kirche, und Heidi zog an der Klingel. „Du musst hier warten und mir dann den Weg zurück zeigen“, sagte sie zu dem Jungen.

„Das kostet noch einmal zwanzig Pfennig.“

Der Türmer, ein alter Mann, der oben im Turm wohnte, öffnete ärgerlich die Tür. „Ich möchte auf den Turm, damit ich hinunterschauen kann“, sagte Heidi. „Bitte, nur ein einziges Mal!“ Sie sah ihn so bittend an, dass er sie freundlich bei der Hand nahm.

Sie stiegen viele, viele Treppen hinauf, und oben hob der Türmer Heidi zum Fenster hoch. Aber sie sah nur ein Meer von Dächern, Türmen und Schornsteinen. „Es ist gar nicht so, wie ich gedacht habe“, sagte sie traurig.

Auf dem Weg nach unten sah Heidi unter dem Dach einen großen Korb. Davor saß eine dicke graue Katze, und darin krabbelten sieben oder acht junge Kätzchen. „Oh, die schönen Kätzchen!“, rief Heidi.

„Du kannst sie alle haben“, sagte der Türmer, der froh war, wenn er sie loswurde.

Heidi war überglücklich, denn in dem großen Haus war doch so viel Platz! „Bringen Sie sie zu Herrn Sesemann in das große Haus mit dem goldenen Hundekopf an der Tür“, sagte sie. „Aber zwei möchte ich gleich mitnehmen, eins für mich und eins für Klara.“ So steckte sie ein weißes Kätzchen in die rechte Tasche und ein gelb-weißes in die linke.

Der Junge fand den Weg zurück, und Sebastian öffnete die Tür. „Schnell, sie sitzen schon beim Essen!“, flüsterte er.

Im Esszimmer war es ganz still. „Adelheid“, begann Fräulein Rottenmeier streng, „du hast das Haus verlassen, ohne zu fragen, und bist bis zum Abend herumgelaufen. Das ist unerhört!“

„Miau“, kam es als Antwort.

„Was? Du machst noch Witze?“

„Ich mache doch …“, begann Heidi. „Miau! Miau!“

Sebastian stellte schnell die Schüssel ab und lief vor Lachen hinaus.

„Aber Heidi“, sagte Klara, „warum machst du denn immer ‚miau‘?“

„Ich mache das nicht, die Kätzchen machen es!“

„Katzen? Junge Katzen?“, schrie Fräulein Rottenmeier. „Sebastian! Tinette! Bringen Sie die schrecklichen Tiere weg!“ Dann lief sie ins Studierzimmer und schloss sich ein, denn vor jungen Katzen hatte sie mehr Angst als vor allem anderen auf der Welt.

Als Sebastian zurückkam, saßen die beiden Kätzchen auf Klaras Schoß, und die Mädchen spielten glücklich mit ihnen. „Sebastian, Sie müssen uns helfen“, sagte Klara. „Suchen Sie einen Platz für die Kätzchen, wo Fräulein Rottenmeier sie nicht findet.“

„Gern, Fräulein Klara“, sagte Sebastian und lachte leise. Er machte den Kätzchen ein Bett in einem Korb und versteckte sie gut.

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