Im Deutschen kannst du fast jedes Wort richtig vorlesen, wenn du es geschrieben siehst. Im Englischen klappt das oft nicht: Derselbe Buchstabe klingt verschieden, und derselbe Laut wird verschieden geschrieben.
Ein Beispiel ist die Buchstabenfolge ough:
Diese vier Wörter reimen sich nicht.
Das wirkt erst einmal chaotisch. Es gibt aber häufige Muster und Faustregeln, die dir oft weiterhelfen.
Nicht nur:
enough
Sondern:
Und hör dir dabei die Aussprache an.
1. Das e am Wortende ist oft stumm
Im Deutschen sprichst du ein e am Wortende mit, etwa in „Name“ oder „Tante“. Im Englischen bleibt es meist stumm:
Das stumme e verändert oft den Vokal davor. Vergleiche:
Das ist ein nützliches Muster, aber keine Regel ohne Ausnahmen:
Auch hier ist das e stumm, der Vokal davor folgt aber nicht dem einfachen „langen“ Muster.
2. kn am Wortanfang: Das k ist stumm
Im Deutschen hörst du das k in „Knie“ oder „Knoten“. Im Englischen ist es am Wortanfang stumm, auch beim verwandten knee:
Am Wortanfang sprichst du nur das n.
In natürlicher Rede klingt dieser Satz oft viel kürzer und verschliffener, als das Schriftbild vermuten lässt.
3. wr am Wortanfang: Das w ist stumm
4. mb am Wortende: Das b ist oft stumm
Wie in „Lamm“ und „Kamm“ hörst du am Ende nur das m, auch wenn im Englischen noch ein b dasteht:
Das gilt nicht für jedes Wort, in dem m und b nebeneinanderstehen. In number hörst du das b.
5. gh: oft stumm, manchmal ein f
In vielen Wörtern hörst du das gh gar nicht. Viele davon haben deutsche Verwandte mit „ch“: night und „Nacht“, light und „Licht“, eight und „acht“, right und „recht“. Im Englischen ist dieser Laut verschwunden:
In anderen Wörtern klingt gh wie ein f, auch bei laugh und „lachen“:
Und es gibt noch andere Fälle. In ghost klingt gh wie ein einfaches g.
Die Aussprache von gh lernst du deshalb am besten mit dem Wort zusammen.
6. Ein stummes l
Häufige Beispiele:
Im deutschen „halb“ hörst du das l, im englischen half nicht.
In could, should und would hörst du kein l. Diese Wörter übst du am besten in ganzen Sätzen.
7. Ein stummes t
In often schwankt die Aussprache: Mit und ohne t sind beide verbreitet und anerkannt. Es gibt also nicht immer nur eine richtige Aussprache.
8. Ein stummes h
In den meisten Alltagswörtern hörst du das h:
In einigen häufigen Wörtern ist es aber stumm:
Achte auf den Artikel:
Den Artikel wählst du nach dem gesprochenen Laut, nicht nach dem ersten Buchstaben.
9. ps am Wortanfang: Das p ist stumm
Im Deutschen sprichst du das p in „Psychologie“ mit. Im Englischen ist es stumm:
Häufige Buchstabenverbindungen
sh
Klingt wie das deutsche „sch“.
ch
Klingt meist wie „tsch“ in „Tschüss“:
Es gibt aber Ausnahmen. In machine klingt ch wie „sch“, chemistry und character beginnen mit einem k-Laut:
Auch das ist also eher ein häufiges Muster als eine feste Regel.
ph
Klingt wie ein f, genau wie im deutschen „Foto“:
th
th steht für zwei verschiedene Laute, und das Deutsche hat keinen davon. Viele Deutschsprachige ersetzen sie durch „s“, „z“ oder „d“. Dann klingt think wie sink und they wie day. Für beide Laute legst du die Zungenspitze leicht zwischen die Zähne und lässt Luft durch.
Der stimmlose Laut:
Der stimmhafte Laut:
Diese Wortpaare unterscheiden sich nur durch den th-Laut:
ng
Wie im deutschen „singen“ oder „lang“ ist ng meist ein einziger Laut, ohne hörbares g danach:
Aber: Im englischen finger hörst du nach dem ng noch ein g, im deutschen „Finger“ nicht.
w und v
Das deutsche „w“ klingt wie das englische v: very, video. Das englische w bildest du dagegen mit runden Lippen, ähnlich wie ein kurzes „u“: we, work, where.
s, z und weiche Endungen
Ein s am Wortanfang vor einem Vokal ist im Standarddeutschen stimmhaft, wie in „Sonne“ oder „See“ (in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz oft schon stimmlos). Im Englischen ist es stimmlos, wie das „ß“ in „Straße“:
Das englische z ist kein „ts“ wie in „Zeit“, sondern ein stimmhaftes, summendes „s“ wie in „Sonne“ im Standarddeutschen:
Und am Wortende: Im Deutschen werden b, d und g am Ende hart, „Rad“ klingt wie „Rat“. Im Englischen bleiben sie weich, und das unterscheidet Wörter:
Faustregeln für c und g
Vor e, i und y klingt c meist wie ein stimmloses „s“, also wie „ß“:
Sonst klingt es meist wie „k“:
Beispiele für beide Fälle:
Vor e, i und y klingt g oft wie „dsch“ in „Dschungel“:
Hier gibt es aber viele sehr häufige Ausnahmen, deshalb ist diese Regel weniger verlässlich als die für c:
Beispiele für beide Fälle:
Häufige Vokalmuster
ee
Klingt meist wie der englische Buchstabe E «i», also lang wie in „Lied“, nicht wie im deutschen „See“:
Auch hier gibt es Ausnahmen. Die Aussprache von been hängt von der Sprachvariante und vom Sprecher ab.
oa
Klingt meist wie der englische Buchstabe O «ou»:
Nicht jedes oa folgt diesem Muster. In broad klingt es anders.
ai und ay
Klingen meist wie der englische Buchstabe A «äi», nicht wie das deutsche „ai“ in „Mai“:
ay steht oft am Wortende, ai eher in der Wortmitte. Auch das ist ein nützliches Schreibmuster, aber keine Regel ohne Ausnahmen.
Unbetonte Vokale werden schwach
Im natürlichen Englisch wird nicht jede Silbe gleich stark gesprochen. Unbetonte Vokale werden oft zu einem kurzen, neutralen Laut, dem Schwa. Du kennst ihn aus dem Deutschen, etwa vom e in „bitte“ oder „Tasche“. Im Englischen taucht er aber viel öfter auf: in fast jeder unbetonten Silbe und in kleinen Wörtern wie a, to, for oder can.
Das erste a in about klingt nicht so klar wie ein betontes deutsches „a“.
Das ist ein Grund dafür, dass ein bekanntes Wort beim Hören manchmal kaum wiederzuerkennen ist.
Geschrieben siehst du jeden Buchstaben:
Im natürlichen Sprechen klingt das unbetonte can hier aber viel schwächer als in einer Antwort, in der es betont ist:
Achte deshalb beim Englischhören nicht nur auf einzelne Laute, sondern auch auf den Rhythmus ganzer Sätze.
Das -s am Ende klingt nicht immer gleich
Das -s kann den Plural oder die dritte Person im Präsens markieren.
Wie ein stimmloses „s“
Wie ein stimmhaftes „s“
Hier hilft es, an die harten Wortenden im Deutschen zu denken: Im Englischen bleibt das Ende von dogs weich.
Als eigene Silbe
Beispiele:
Wie das -s genau klingt, hängt vom letzten Laut des Wortes ab. Das übst du später noch gezielt. Wichtig ist schon jetzt: Das geschriebene s klingt nicht immer gleich.
Auch -ed klingt verschieden
Wie ein „t“
Wie ein „d“
Als eigene Silbe
Beispiele:
Wer vom Schriftbild ausgeht, spricht leicht jedes -ed als eigene Silbe.
Nicht so:
Sondern in einer einzigen Silbe:
Eine eigene Silbe hörst du vor allem dann, wenn das Verb auf t oder d endet:
Kurzformen gehören zum normalen Englisch
Kurzformen sind nicht nachlässig oder falsch. Im Alltag sind sie völlig normal.
Beispiele:
Beim Hören ist es besonders wichtig, sie zu erkennen, denn im natürlichen Sprechen hörst du die vollen Formen viel seltener.
Beim Sprechen verbinden sich die Wörter
Geschrieben:
Beim Sprechen kommen die Wörter nicht einzeln und gleich stark. Manche Laute verbinden sich oder werden schwächer.
Ähnliche häufige Sätze:
Du musst nicht gleich jede Verkürzung nachmachen. Zuerst geht es darum, den ganzen Satz auch dann zu erkennen, wenn nicht jedes Wort so deutlich klingt wie auf einer Lehrbuch-CD.
Wie du ein neues Wort lernst
Speichere nicht nur:
decision = Entscheidung
Sondern so:
Gerade bei solchen Verbindungen hilft das Deutsche oft nicht: Eine Entscheidung „triffst“ du, auf Englisch heißt das make a decision. Ein Foto „machst“ du, auf Englisch heißt das take a photo.
Und hör dir an:
- das Wort allein;
- den Chunk;
- einen ganzen Satz;
- wenn möglich verschiedene Sprecherinnen und Sprecher.
Eine vollständige Lerneinheit für ein Wort:
Kurzer Selbsttest
In welchem Wort ist der erste Buchstabe stumm?
In know ist das k stumm, anders als im deutschen „Knie“. Deshalb klingen know und no gleich.
Welche Endung bildet eine eigene Silbe?
Eine eigene Silbe entsteht, wenn das Verb auf t oder d endet: want wird zu wanted. worked und called bleiben einsilbig.
Welche Form ist richtig?
Das h in hour ist stumm, das Wort beginnt also mit einem Vokallaut. Den Artikel wählst du nach dem Laut, nicht nach dem Buchstaben.
Eine Kollegin soll ein Foto von euch machen. Was sagst du?
Auf Deutsch „macht“ man ein Foto, auf Englisch heißt es take a photo. Solche Verbindungen lernst du am besten gleich mit dem Wort.
In welchem Wort hörst du nach dem ng noch ein g?
Im englischen finger folgt auf den ng-Laut ein hörbares g, anders als im deutschen „Finger“. In singer steht nur der ng-Laut, wie in sing.
Schreib auf, was du hörst.
Zwei stumme Buchstaben: das k in know und das w in wrong.
Das Wichtigste aus dieser Lektion
Regeln und Faustregeln helfen dir. Jedes neue Wort lernst du aber am besten zusammen mit seinem Klang und einer natürlichen Verbindung.
Die erste Einheit im Rückblick
Vier wichtige Grundsätze kennst du jetzt.
1. Dein Bauchgefühl ist wertvoll, kann aber versteckte Fehler enthalten
Es geht nicht nur darum, ob du einer Struktur schon begegnet bist. Wichtig ist, ob du sie sicher abrufen und richtig benutzen kannst. Und gerade wo Englisch dem Deutschen ähnlich sieht, rutschen deutsche Muster leicht durch.
2. Englische Sätze halten durch Verbindungen zusammen
Wortstellung, Subjekt, Hilfsverben und kleine Verbindungswörter sind mindestens so wichtig wie die Wörter, die die Hauptbedeutung tragen.
3. Grammatikbegriffe sind eine Landkarte
Subjekt, Prädikat, Objekt und die wichtigsten Wortarten kennst du aus der Schule. Sie helfen dir zu verstehen, was im Satz passiert.
4. Den Klang eines Wortes kannst du nicht immer ablesen
Neue Wörter lernst du mit Aussprache, Chunk und Beispielsatz, nicht nur mit ihrer Bedeutung.
Der Leitsatz der Einheit
Zum Schluss: dein erster Call im neuen Team
Du hast deinen ersten Videocall mit Daniel aus dem Team in Dublin. Antworte jeweils mit einem Satz.
Daniel fragt: How long have you worked here? Du bist seit 2021 in der Firma. Was antwortest du?
Wie im Deutschen mit „seit“, aber im present perfect, weil es bis heute andauert.
Daniel benutzt das Wort onboarding, das du nicht kennst. Frag nach, was es bedeutet.
In der Frage braucht mean ein does.
Daniel schlägt ein neues Tool vor. Sag ihm, dass dir die Idee gefällt, es aber auf das Budget ankommt.
Wem etwas gefällt, der ist das Subjekt: I like. Und „ankommen auf“ heißt hier depend on.
Erzähl ihm, dass du dem Kunden gestern eine kurze E-Mail geschickt hast.
Ein abgeschlossener Zeitpunkt, also simple past. Erst der Empfänger, dann die Sache, oder die Sache mit to. Die Zeitangabe steht am Ende.
Zum Abschied schlägt Daniel vor: Let's talk on Thursday at three. Sprich den Satz laut nach. Worauf achtest du?
In talk ist das l stumm. Thursday und three beginnen mit dem stimmlosen th-Laut: Zungenspitze zwischen die Zähne, kein „s“.